Die Aktie von Swiss Re gerät am Donnerstag nach einer Abstufung durch die UBS unter Druck. Kurz nach Börseneröffnung verlor der Titel 1,75 Prozent auf 123,50 Franken und entwickelte sich damit deutlich schwächer als der Gesamtmarkt. Der SMI hielt sich derweil nahe der Nulllinie bei 13'399 Punkten.

UBs-Analyst Will Hardcastle senkte seine Empfehlung von «Neutral» auf «Verkaufen» und reduzierte das Kursziel auf 112 Franken. Damit sieht die Grossbank weiteres Abwärtspotenzial von rund 11 Prozent. Zur Begründung verwies Hardcastle auf sinkende Kapitalrenditen im Neugeschäft und fehlendes Gewinnwachstum über die kommenden Jahre. Angesichts dieser Perspektiven erscheine die Bewertung der Aktie zu hoch. Bereits Mitte Mai hatte Goldman Sachs seine negative Haltung gegenüber Swiss Re bestätigt und das Kursziel von 119 auf 114 Franken gesenkt. Die Aktie war daraufhin zeitweise bis auf 119,45 Franken gefallen.

Die Abstufungen treffen Swiss Re in einer Phase, in der das operative Geschäft auf den ersten Blick robust wirkt. Der Rückversicherer hatte Anfang Mai für das erste Quartal 2026 einen Gewinnanstieg von fast 20 Prozent gemeldet und damit die Erwartungen übertroffen. Analysten der ZKB sprachen von einer «sehr vorteilhaften Gewinnentwicklung», während Vontobel einen starken Jahresstart mit positiven Beiträgen aus allen drei Geschäftsbereichen hervorhob. Unterstützt wurde das Ergebnis insbesondere durch ein geringes Grossschadenaufkommen sowie eine günstige Entwicklung im US-Lebensversicherungsgeschäft.

An der Börse richtet sich der Blick jedoch zunehmend auf die zukünftige Profitabilität des Rückversicherungsgeschäfts. Entscheidend dafür sind die Preise bei den Vertragserneuerungen, da sie als wichtiger Frühindikator für die Margenentwicklung gelten. Genau dort mehren sich die Warnsignale. Bei den Erneuerungen im April beschleunigten sich die Preisrückgänge deutlich. Unter Einbezug höherer Schadenannahmen ergab sich netto ein Rückgang von 6,1 Prozent. Das lag unter den Erwartungen von Barclays, die lediglich mit einem Minus von 5 bis 5,5 Prozent gerechnet hatte. Gleichzeitig enttäuschte der Versicherungsumsatz im Schaden- und Haftpflichtgeschäft. Investoren fürchten deshalb, dass der ausserordentlich profitable Zyklus der vergangenen Jahre seinen Höhepunkt überschritten haben könnte.

Sinkende Preise im Neugeschäft dürften die Margen belasten, selbst dann, wenn das Schadenumfeld stabil bleibt. Entsprechend wurden die starken Quartalszahlen von vielen Marktteilnehmern eher als Momentaufnahme denn als Signal für nachhaltiges Wachstum interpretiert.

Der Druck betrifft nicht nur Swiss Re. Auch Munich Re kämpft mit rückläufigen Preisen bei den Vertragserneuerungen und notiert deutlich unter dem durchschnittlichen Analystenkursziel. Vieles spricht daher dafür, dass Anleger derzeit weniger einzelne Quartalsergebnisse bewerten als vielmehr einen möglichen Wendepunkt im Rückversicherungszyklus.

Gemäss Bloomberg empfehlen derzeit fünf Analysten die Aktie zum Kauf, zehn raten zum Halten und acht zum Verkaufen. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 130,50 Franken - ein Aufwärtspotenzial von 5,7 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Das UBS-Kursziel von 112 Franken hingegen impliziert ein Abwärtspotenzial von 9,3 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 5,34 Prozent verloren, auf Jahressicht sind es minus 14,40 Prozent.

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