Die UBS hat einen neuen vierteljährlichen «Capex-Tracker» vorgestellt, der die erwarteten Investitionsausgaben aller von der Grossbank abgedeckten Unternehmen auswertet und deren Auswirkungen auf Schweizer Small- und Midcaps quantifiziert. Diese Unternehmen sind in besonderem Masse von solchen Investitionen abhängig, da sie ihre Umsätze aus diesen Ausgaben generieren.

Auf aggregierter Ebene liefert die Studie viel Bekanntes: Technologie, Software, Versorger oder Verteidigung gehören zu den Industrien mit den höchsten erwarteten Investitionsausgaben. Bei genauerer Betrachtung gibt es allerdings mehrere Überraschungen, insbesondere bei spezialisierten Nischenanbietern, deren Wachstumschancen bisher weniger offensichtlich waren. Entsprechend ist das Potenzial bei diesen Titeln hoch.

Ungleiche Investitionsausgaben

Der «Capex-Tracker» der UBS bewertet die Nachfrageprognose für Schweizer Small- und Midcaps, die von Investitionsausgaben abhängig sind. Insgesamt erwarten die Experten eine kurzfristige Beschleunigung der Capex im ersten Quartal 2026, wobei das jährliche Wachstum mit 7 Prozent jedoch unter dem Vorjahreswert von 11,6 Prozent bleibt. Bis 2028 wird mit einer Normalisierung des Investitionswachstums gerechnet.

Allerdings fällt dieses Wachstum regional äusserst unterschiedlich aus: In den USA wird ein starkes Investitionswachstum erwartet, das fast ausschliesslich vom Technologiesektor getragen wird. In der Schweiz hingegen stammen die Investitionen vor allem aus den Finanz-, Industrie- und Versorgungssektoren, während der Technologiebereich mit einem Rückgang von bis zu 23 Prozent pro Jahr die schlechtesten Werte der drei analysierten Regionen (Eurozone, USA, China) aufweist.

Während die Eurozone insgesamt unter niedrigen Investitionsausgaben leidet, dürften der Gesundheitssektor und die Finanzindustrie überdurchschnittlich profitieren. Wiederum in China wird besonders viel in den Bereichen Versorger und Technologie investiert, doch insgesamt erwartet die UBS hier die niedrigsten Investitionsausgaben aller Regionen.

Biotech und Verpackungen überraschen

Ein detaillierter Blick auf die Branchen zeigt, dass etwa Investitionen in der Softwarebranche in diesem Jahr um 36 Prozent, 2027 um 19 Prozent und 2028 um 11 Prozent steigen dürften. Von einem ebenfalls deutlich verbesserten Umfeld dürfte Biotech profitieren. Nach drei Jahren rückläufiger Investitionen wird nun mit einem sukzessiven Anstieg auf 12 Prozent pro Jahr bis 2028 gerechnet.

Eine weitere Überraschung bietet die Verpackungsindustrie, die 2025 unter schwierigen Rahmenbedingungen litt und zu den Branchen mit den niedrigsten Investitionswerten zählte. Für 2026 dürfte sich laut UBS das Blatt wenden: Sie rechnen mit einem Investitionsanstieg von rund 24 Prozent.

Unter Berücksichtigung der geografischen und sektoralen Analysen heben die Expertinnen und Experten der UBS Accelleron, Landis + Gyr und R&S hervor. Der Investitionsanstieg im Versorgungssektor dürfte bei allen drei Unternehmen für Rückenwind sorgen. Accelleron erwirtschaftet etwa 40 Prozent seiner Umsätze in diesem Sektor, während Landis+Gyr rund zwei Drittel seines Umsatzes mit dem Ausbau von Messinfrastrukturen - hauptsächlich in den USA - generiert. Da die Energienachfrage in den USA erstmals seit 15 Jahren wieder steigt, stellen die Investitionsausgaben der Versorger eine der seltenen Wachstumsquellen in diesem Sektor dar.

Auch der Pharma-Ausrüster Skan sowie die Chipzulieferer VAT und Inficon könnten von den aktuellen Investitionstrends profitieren. Der globale Isolatorenmarkt dürfte in den kommenden Jahren voraussichtlich um etwa 10 Prozent an Wert zulegen - eine Entwicklung, die sich offenbar mit den Investitionstrends der jüngsten Quartale deckt. Die UBS-Experten gehen daher davon aus, dass Skan in diesem Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von rund 27 Prozent erzielen könnte.

Schweizer Small- und Midcaps mit Potenzial

Von den zuvor genannten Schweizer Small- und Midcaps sieht die UBS das höchste Aufwärtspotenzial bei Skan, wo das zwölfmonatige Kursziel um 36 Prozent über dem aktuellen Kurs liegt. Bei R&S wird ein Aufwärtspotenzial von 12 Prozent erwartet, bei Landis+Gyr sind es 3 Prozent. 

Accelleron und VAT haben ihre Kursziele bereits überschritten, sodass hier ein Verlustpotenzial von 2 respektive 24 Prozent besteht. Dennoch empfiehlt die UBS Accelleron und VAT zum Kauf, ebenso wie R&S. Bei Landis+Gyr und Skan bleibt die Grossbank jedoch zurückhaltender und stuft diese mit «Halten» ein. 

Die Einschätzungen der UBS weichen indes in vielen Fällen vom Marktkonsens ab. Einzig bei R&S und Skan gibt es übereinstimmende Kaufempfehlungen. Bei Accelleron und VAT ist der Markt vorsichtiger («Halten»), während er bei Landis+Gyr optimistischer («Kaufen») eingestuft ist. Zudem sieht der Marktkonsens bei Landis+Gyr, R&S und VAT ein höheres Kurspotenzial als die UBS.

Luca_Niederkofler
Luca NiederkoflerMehr erfahren