Am 24. September entscheidet die Schweizerische Nationalbank an ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung darüber, ob sie die Leitzinsen in der Schweiz verändern will. Wenn die Lage an der Konjunkturfront und an den Märkten ruhig ist und entsprechend wenig Taten von der SNB erwartet werden, sind solche Lagebeurteilungen fast schon ereignislose Rituale.
Nach einem solchen Event sah es lange Zeit auch aus, im Hinblick auf nächste Woche. Viele Experten gingen davon aus, dass die SNB die Zinsen bis Jahresende 2027 nicht verändern werde. Der SNB-Leitzins steht seit Juni 2025 bei 0 Prozent.
Doch der Konsens ist nun ein wenig durcheinandergeraten. Grund sind die gestiegenen Inflationsraten weltweit, welche etwa die Europäische Zentralbank (EZB) letzte Woche veranlasst hatten, die Leitzinsen auf 2,5 Prozent zu erhöhen. In der Schweiz ist die Inflation im August von 0,4 auf 0,8 Prozent angesprungen. Das ist im europäischen Vergleich zwar immer noch tief – das Ausmass der Steigerung war allerdings überraschend deutlich.
Das Anziehen der Teuerung hat die Experten der UBS zu einer Neueinschätzung der Zinslage in der Schweiz veranlasst. Der August mit einem hohen Inflationswert dürfte zwar noch nicht ausreichen, dass die SNB bereits an der nächsten geldpolitischen Sitzung vom 24. September die Zinsen erhöht. Die jüngsten Entwicklungen bei der Teuerung erhöhen aber generell die Wahrscheinlichkeit eines früheren Zins-Schrittes der SNB und anschliessender weiterer Erhöhungen, schreiben die Ökonomen des Chief Investment Office Global Wealth Management der UBS in einer Einschätzung am Dienstag.
BAK rechnet mit SNB-Zinsschritt im Dezember
Etwas alarmierter aufgrund der Inflationszahlen ist auch Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank: «Zwar ist die SNB in Anbetracht der in absoluter Betrachtung noch immer verhältnismässig niedrigen Teuerung nicht in akuten Nöten, doch die Preisrisiken haben sich auch in der Schweiz auf die Oberseite verlagert.» Eine Zinsanhebung der SNB bereits im Dezember sei nicht völlig ausgeschlossen, erklärte Gitzel vor zwei Wochen.
Claude Maurer, Chefökonom von BAK Economics, rechnet dagegen damit, dass die SNB zwar noch nicht nächste Woche, dann aber im Dezember handeln wird. «Die SNB kann die Zinsen im Dezember erhöhen – sie muss aber nicht. Die Vergangenheit hat indes gelehrt, dass die SNB agil und proaktiv ist. In unserem Basisszenario erwarten wir deshalb neu einen Zinsschritt von 0 auf 0,25 Prozent im Dezember», schrieb Maurer in einem Beitrag auf Linkedin am Dienstag.
Die stärkere Wirtschaft in der Schweiz und die veränderten Rahmenbedingungen schafften Handlungsspielraum, so Maurer weiter. Die Inflation liege klar im SNB-Zielband und die Zinsen im Ausland seien gestiegen. «Gleichzeitig macht die höhere Inflation im Ausland einen starken Franken real weniger restriktiv. Damit öffnet sich ein günstiges Fenster, um etwas Abstand von der Null- und Negativzinsgrenze zu gewinnen», so Maurer. Es sei dann aber kein Beginn eines klassischen Straffungszyklus der SNB, sondern ein vorsichtiger Normalisierungsschritt in einem Umfeld globaler Inflationsrisiken.
Gegen eine voreilige Zinserhöhung spricht (noch) die Kerninflation in der Schweiz, die volatile Faktoren wie Energie ausklammert. Sie stieg im August auf 0,4 Prozent nach 0,3 Prozent im Vormonat und somit deutlich weniger stark als die Gesamtinflation.

