Der europäische Fussballverband Uefa droht im Streit über die Investorenpläne des Weltfussballverbands Fifa mit ‌einem WM-Boykott ⁠und damit mit massiver Eskalation. Wie die Uefa am Donnerstag mitteilte, haben ihre Mitgliedsverbände einen Boykott der Weltmeisterschaft und anderer ⁠Fifa-Wettbewerbe beschlossen, sollte die Fifa an ihrem Vorhaben festhalten. Ein entsprechender Beschluss sei einstimmig auf einer virtuellen Sitzung gefasst worden. Die Uefa protestiert damit gegen ‌Pläne der Fifa und ihres Präsidenten Gianni Infantino, Anteile an einer Tochtergesellschaft, die künftig ‌die WM und andere Turniere des Weltfussballverbands organisieren soll, an ​externe Investoren zu verkaufen.

«Die Weltmeisterschaft kann nicht als Investitionsprodukt behandelt werden», erklärte die Uefa in einer Mitteilung. Sie sei eines der grössten sportlichen Vermächtnisse des Fussballs, das über Generationen hinweg von Spielern, Nationalmannschaften und Fans auf allen Kontinenten aufgebaut worden sei. «Kein Teil davon sollte jemals an private Investoren abgegeben werden. Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf.» Solange die Pläne nicht vollständig vom ‌Tisch seien und es keine verbindlichen Zusagen gebe, dass die Fifa ihre Führung oder Wettbewerbe niemals für private Investoren öffnen werde, werde keine europäische Nationalmannschaft an Fifa-Wettbewerben teilnehmen.

Der englische Fussballverband FA unterstützte die Entscheidung und teilte mit, man stehe Seite an ​Seite mit den europäischen Kollegen. Die Regionalverbände für Nord- und Mittelamerika (Concacaf) und Asien (AFC) hatten die Pläne ​der Fifa auch kritisiert, da sie in den Prozess nicht eingebunden worden ​seien. Die nächste Weltmeisterschaft der Frauen soll im kommenden Jahr in Brasilien stattfinden. Für Oktober ist zudem die erste U15-Weltmeisterschaft der Fifa in Aserbaidschan geplant.

Am ‌Dienstag hatte die Fifa bestätigt, Investoren mit bis zu 4,2 Milliarden Dollar an einer kommerziellen Firma beteiligen zu wollen, in der die Weltmeisterschaften und andere Grossveranstaltungen gebündelt werden. Dafür würden sie 20 bis 30 Prozent an der mit rund 20 Milliarden Dollar ​bewerteten ​Firma bekommen. Wichtigster Investor dafür soll Thrive Eternal sein, ein Investmentvehikel ⁠von Thrive Capital. Hinter der Firma steht Joshua Kushner, der Bruder von ​Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident ⁠Donald Trump. Fifa-Präsident Infantino hatte vor und während der kürzlich beendeten WM in den USA, Mexiko und Kanada einen engen ‌Schulterschluss mit Trump geübt.

Infantinos Vorgänger Sepp Blatter hatte sich ebenfalls deutlich gegen den Investoren-Vorstoss ausgesprochen: «Fussball gehört keinem Einzelnen und keiner Institution. Er gehört den Menschen.» Wenn die Fifa zu einem profitorientierten Unternehmen werde, «würde sie ihre ‌Seele verlieren». Auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke, der zudem Vizepräsident des Uefa-Exekutivkomitees ist, hatte sich bereits ​dagegen ausgesprochen. Er sehe die Pläne der Fifa «als absoluten Angriff auf den Fussball» an, sagte er kürzlich dem Magazin «kicker». «Hier wird eine Grenze überschritten.» Wenn sich der europäische Fussball gegen die Pläne geschlossen wehre, habe das «sehr viel Gewicht».

(Reuters)