Die von den USA vermittelten Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland in Genf sind am Mittwoch nach nur zwei Stunden abrupt ‌zu ⁠Ende gegangen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Verhandlungen als «schwierig» und warf der russischen Seite eine Hinhaltetaktik vor. Moskau ⁠versuche, Verhandlungen in die Länge zu ziehen, die bereits die Endphase hätten erreichen können, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Kurz darauf ‌meldete die russische Nachrichtenagentur RIA das Ende der Runde. Ein ukrainischer Regierungsvertreter bestätigte, ‌dass das Treffen nur «etwa zwei Stunden» gedauert habe.

Der russische ​Chefunterhändler Wladimir Medinski kündigte im Anschluss an, dass es bald weitere Verhandlungen geben werde, nannte jedoch kein Datum. Der US-Gesandte Steve Witkoff, der die Gespräche im Auftrag von US-Präsident Donald Trump vermittelt, äusserte sich dagegen optimistischer. Trumps Bemühungen hätten zu «bedeutenden Fortschritten» geführt, schrieb Witkoff auf X. Beide Seiten hätten vereinbart, ihre jeweiligen Staatschefs zu unterrichten und ‌weiter an einer Einigung zu arbeiten.

Die Gespräche in der Schweiz fanden vor dem Hintergrund wachsenden Drucks aus Washington statt. Trump hatte die Ukraine in den vergangenen Tagen mehrfach aufgefordert, Schritte für einen Erfolg der Verhandlungen zu unternehmen. ​In einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der US-Webseite Axios bezeichnete Selenskyj es als ungerecht, ​dass Trump öffentlich die Ukraine und nicht Russland zu Zugeständnissen dränge. ​Er hoffe, dass dies nur Taktik und keine endgültige Entscheidung sei, wurde Selenskyj zitiert. Trump hatte am Montag erklärt, die Ukraine tue gut ‌daran, «schnell an den Tisch zu kommen.»

Ukrainische Staatsanleihen unter Druck

Bereits der erste Verhandlungstag am Dienstag war Berichten zufolge schwierig verlaufen. Russische Nachrichtenagenturen zitierten einen Insider mit den Worten, die sechs Stunden dauernden Gespräche seien «sehr angespannt» gewesen. Der Leiter der ​ukrainischen Delegation, ​Rustem Umerow, hatte die Erwartungen schon vor Beginn gedämpft. ⁠Die Berichte über den schleppenden Verlauf verunsicherten am Mittwoch die Anleger. Ukrainische ​Staatsanleihen gaben im europäischen Morgenhandel nach.

Das ⁠Treffen in Genf folgte auf zwei Runden in Abu Dhabi, die ohne Durchbruch geblieben waren. Die Positionen ‌liegen vor allem bei der Kontrolle der Gebiete in der Ostukraine weit auseinander. Russland hält rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt, darunter die Krim und Teile des Donbass im Osten der ‌Ukraine. Der Krieg dauert nun fast vier Jahre an; der vierte Jahrestag des russischen ​Einmarsches vom 24. Februar 2022 steht kurz bevor. Selenskyj betonte im Axios-Interview, dass jeder Plan, der die Abtretung nicht von Russland besetzter Gebiete im Donbass vorsehe, in einem Referendum von den Ukrainern abgelehnt würde.

(Reuters)