Der Iran lagert nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) fast die Hälfte seines auf bis zu 60 Prozent ‌angereicherten ⁠Urans in einer unterirdischen Anlage in Isfahan. Der Tunnelkomplex sei das einzige Ziel, ⁠das bei den Angriffen Israels und der USA auf iranische Atomanlagen im Juni offenbar ‌nicht schwer beschädigt worden sei, sagte IAEA-Chef Rafael ‌Grossi am Montag in Paris. Diplomaten zufolge ​wird Isfahan schon länger als Lagerstätte für das Material genutzt, das vergleichsweise einfach waffenfähig gemacht werden könnte.

Grossi bezifferte den Bestand in Isfahan auf «etwas mehr als 200 Kilogramm». Zum Zeitpunkt der Angriffe im Juni habe der ‌Iran insgesamt mehr als 440,9 Kilogramm des hochangereicherten Urans besessen. Bei weiterer Anreicherung würde die Menge theoretisch für zehn Atomwaffen ausreichen. «Man geht allgemein davon aus, dass das ​Material noch dort ist», sagte Grossi mit Blick ​auf Isfahan. Weder die IAEA noch andere ​Beobachter hätten auf Satellitenbildern Anzeichen dafür entdeckt, dass das Material verlegt worden sei. Auch in ‌der Anlage in Natans werde noch eine gewisse Menge vermutet.

Seit den Angriffen im vergangenen Jahr hat Teheran der IAEA keine Informationen über den Verbleib des ​Urans ​übermittelt und Inspektoren den Zutritt zu ⁠den bombardierten Stätten verwehrt. Die USA und Israel ​begründen ihre aktuellen ⁠Angriffe unter anderem damit, dass der Iran kurz vor dem Bau einer ‌Atombombe stehe. Allerdings hatte US-Präsident Donald Trump im Juni erklärt, das iranische Atomprogramm sei vernichtet worden. Die IAEA betont indes, sie ‌habe keine glaubwürdigen Hinweise auf ein koordiniertes Atomwaffenprogramm des ​Iran. Die bekannten Anreicherungsanlagen in Natans und Fordow gelten seit Juni als zerstört oder schwer beschädigt.

(Reuters)