Ungleiches Geschwisterpaar - Vifor stellt Galenica Santé für einmal in den Schatten

Galenica Santé übertrifft die Gewinnerwartungen auf den ersten Blick deutlich. Vifor Pharma punktet hingegen mit einer Erhöhung der diesjährigen Zielvorgaben. Für die Börse gibt es einen Gewinner.
08.08.2017 13:46
Von Lorenz Burkhalter
Verpackungsanlage bei Vifor Pharma in Genf.
Verpackungsanlage bei Vifor Pharma in Genf.
Bild: ZVG

Der Umsatz fällt bei Vifor Pharma im Jahresvergleich um 70 Prozent, der operative Gewinn (EBIT) sogar um knapp 80 Prozent. Was sich im ersten Moment brutal anhört, lässt sich mit der vor ziemlich genau vier Monaten vollzogenen Abspaltung von Galenica Santé erklären.

Allerdings bleibt die Umsatzentwicklung bei Vifor Pharma in den ersten sechs Monaten hinter den Erwartungen zurück. Schuld ist der nur langsam Fahrt aufnehmende Absatz beim Schlüsselmedikament Veltassa. Wenigstens fällt der EBIT nicht ganz so stark wie befürchtet.

Der in Bern beheimatete Pharmahersteller erhöht gar seine Zielvorgaben für das Gesamtjahr. So richtig überrascht das nicht, galten die bisherigen Wachstumsziele doch als eher vorsichtig. Einige Analysten dürften sich im Vorfeld auf eine noch kräftigere Erhöhung eingestellt haben.

Überzeugender fällt der Zahlenkranz bei Galenica Santé aus. Das im Pharmavertrieb tätige Schwesterunternehmen übertrifft die Erwartungen beim Umsatz leicht, auf den Stufen EBIT und Reingewinn zumindest auf den ersten Blick hingegen deutlich.

Für die Börse gibt es einen Gewinner: Während sich die Vifor-Aktie um 4,2 Prozent auf 108,50 Franken erholt, gewinnt jene von Galenica Santé zur Stunde vergleichsweise magere 1,4 Prozent auf 45,20 Franken. Seit Anfang April hat aber noch immer letztere ganz klar die Nase vorn. Beobachter berichten bei Vifor von aggressiven Deckungskäufen seitens ausländischer Leerverkäufer.

Unerwartet positive Worte findet die Pharmanalystin der Bank Vontobel für den Zahlenkranz von Vifor Pharma. Denn obschon die Umsatzbeiträge der Schlüsselmedikamente Injectafer, Venofer und Mircera leicht hinter den bankeigenen Schätzungen zurückgeblieben sind, findet sie insbesondere an der Absatzentwicklung von Velphoro sowie des mit Relypsa übernommenen Veltassa sichtlich Gefallen.

Schlüsselmedikamente wissen bei Vifor unterschiedlich zu gefallen

Da die Expertin bereits mit einer Erhöhung der firmeneigenen Zielvorgaben gerechnet hatte, macht sie bei ihren Schätzungen nur noch einen geringfügigen Anpassungsbedarf aus. Sie stuft die Vifor-Aktie mit "Hold" und einem Kursziel von 117 Franken ein.

Auch ihr Berufskollege von Baader-Helvea begrüsst in erster Linie die Absatzentwicklung bei Veltassa. Mit einem Umsatzbeitrag von gut 24 Millionen Franken seien die Konsenserwartungen diesbezüglich um gut 20 Prozent übertroffen worden, so schreibt er. Etwas enttäuscht zeigt sich der Experte hingegen von den mit Ferinject/Injectafer sowie mit Mircera erzielten Umsätzen. Den besser als befürchtet ausgefallenen operativen Gewinn erklärt man sich bei Baader-Helvea mit geringeren Kosten im Zusammenhang mit der milliardenschweren Übernahme von Relypsa. Die Aktie wird denn auch weiterhin mit einem Kursziel von 135 Franken zum Kauf empfohlen.

Die Vifor-Aktie (rot) im direkten Vergleich mit jener von Galenica Santé (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Das Unternehmen habe einen Umsatz unter den Erwartungen ausgewiesen, heisst es bei der Zürcher Kantonalbank. Die verantwortliche Analystin führt dies vor allem auf den durchwachsenen Absatz mit Mircera sowie mit der Eisenfranchise zurück. Die Absatzentwicklung mit Veltassa bezeichnet sie hingegen als gut. Obschon die Zielvorgaben für das Gesamtjahr erhöht wurden, liegen diese neuerdings nur im Rahmen der bankeigenen Erwartungen. Bei der Zürcher Kantonalbank wird die Vifor-Aktie wie bis anhin mit "Untergewichten" zum Verkauf empfohlen. Ebenfalls eher vorsichtig fällt das Urteil der Experten von Julius Bär aus. Sie bleiben bei ihrer vorsichtigen Einschätzung der Absatzaussichten für Veltassa.

Veräusserungsgewinn hilft Galenica Santé

Was das Halbjahresresultat von Galenica Santé anbetrifft, bezeichnet die Vontobel-Analystin dieses als etwas über den Erwartungen liegend. Unter Ausklammerung eines einmaligen Gewinns von 7 Millionen Franken decke sich die operative Gewinnentwicklung mit den Markterwartungen, so ergänzt die Analystin. Vorbehalte äussert sie in Bezug auf die eher vorsichtigen Aussagen der Firmenvertreter zur Marktlage. Auch die Galenica-Aktie wird bei der Bank Vontobel mit "Hold" eingestuft. Allerdings wird das 46 Franken lautende Kursziel einer positiven Überprüfung unterzogen.

Die für die Zürcher Kantonalbank tätige Berufskollegin verweist ebenfalls auf den einmaligen Gewinn im Zusammenhang mit dem Verkauf von TriaMed an Swisscom sowie aus einem Gebäudeverkauf. Wie sie weiter schreibt, konnten die Zielvorgaben für das Gesamtjahr dank dieses Sondergewinns leicht erhöht werden und entspricht nun den bankeigenen Erwartungen. Die Analystin hält folglich am Anlageurteil "Marktgewichten" fest.

Als "gesund" bezeichnet der Experte der UBS Investmentbank bei Galenica Santé die Geschäftsentwicklung der ersten sechs Monate. Dennoch rechnet auch er bei den aktuellen Markterwartungen nicht mit grösseren Veränderungen. Er stuft die Aktie unverändert mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 46 Franken ein.