Es würden zeitnah Zusagen von UniCredit-Chef Andrea Orcel in diese Richtung erwartet, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus Regierungskreisen. Nach dem jüngsten Treffen von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Orcel habe die Regierung den Eindruck gehabt, dass eine gemeinsame Basis gefunden werden könne. Orcel habe signalisiert, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibe und das Mittelstandsgeschäft ausgebaut werde. «Die Commerzbank soll dafür weiterhin über die nötige Kapitalausstattung verfügen und wesentliche Entscheidungen in Deutschland treffen.» Es solle zudem einen konstruktiven Dialog mit dem Betriebsrat geben.
Dies alles würde den Kernanliegen der Bundesregierung entsprechen, hiess es weiter. Damit wäre eine gute Basis geschaffen, um noch offene Fragen miteinander zu lösen. «Das Ziel muss sein, am Ende eine tragfähige Wachstumsstrategie für die Commerzbank zu erreichen.»
Ein Sprecher von UniCredit begrüsste den Dialog, der derzeit mit der Regierung stattfindet. Das Mailänder Institut blicke weiterhin optimistisch auf das Ergebnis. Angesichts der Art dieser Gespräche sei es unangemessen, «öffentlich auf Einzelheiten einzugehen, solange sie noch andauern und die Ergebnisse noch nicht endgültig feststehen».
Orcel arbeitet laut der Zeitung «Financial Times» daran, in den kommenden Monaten die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen. Sobald die nötigen Genehmigungen zur Übernahme der Frankfurter Bank vorlägen, wolle er eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen. Möglicherweise schon im Januar wolle Orcel Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ablösen und den Aufsichtsrat umbauen.
Unklar ist, wie Orcel die Zusagen bestätigen soll. Die Regierung dürfte auf eine schriftliche Fixierung bestehen. Der Bund hält noch gut 13 Prozent an der Commerzbank, die UniCredit mittlerweile rund 50 Prozent. Der Bund will sich erst von seiner Beteiligung trennen, wenn die Commerzbank stabilisiert ist. Zuletzt hatte die Regierung immer wieder ein «aggressives» Vorgehen der UniCredit angeprangert und sich lange gegen die Übernahme gestemmt, die zum Abbau Tausender Stellen in Deutschland führen dürfte. Dies soll aus Sicht der Regierung aber im Dialog mit den Betriebsräten und sozialverträglich geschehen. Nach Möglichkeit soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
(Reuters)

