Das Institut habe eine unverbindliche Vereinbarung mit einem privaten Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet, teilte das Geldhaus am Donnerstag mit. Ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, ist jedoch noch offen: Ein Abschluss werde von der UniCredit für das erste Halbjahr 2027 erwartet, stehe aber unter dem Vorbehalt bindender Verträge und behördlicher Genehmigungen. Die Transaktion würde zu einer Ertragsbelastung von 3,0 bis 3,3 Milliarden Euro führen. Eine Stellungnahme der russischen Zentralbank sowie der UniCredit-Tochter in Russland lagen zunächst nicht vor.
Im Zuge des geplanten Verkaufs soll das Russlandgeschäft aufgespalten werden. UniCredit will eine neue Einheit zur Abwicklung internationaler Zahlungen für nicht sanktionierte Firmenkunden behalten, der restliche Teil der russischen Tochter soll komplett an den Käufer aus den Emiraten übergehen .
Trotz des hohen, teils währungsbedingten Verlusts rechnet UniCredit wegen geringerer Extremrisiken mit einem positiven Effekt auf die Kapitalausstattung von rund 35 Basispunkten. Die Gewinnerwartungen für die Jahre 2028 bis 2030 sowie geplante Ausschüttungen an die Aktionäre seien von dem Vorhaben nicht betroffen. Die UniCredit-Aktie legte um gut ein Prozent zu.
Die UniCredit ist hinter der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI) das zweitgrösste westliche Geldhaus in Russland und gilt dort weiterhin als systemrelevant. Auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) und der italienischen Regierung fuhr die Bank ihre Präsenz zuletzt zurück. So halbierte die russische Tochter ihr Kreditvolumen im vergangenen Jahr auf 600 Millionen Euro, während der Nettogewinn von 577 Millionen auf 814 Millionen Euro stieg.
Ein Rückzug westlicher Banken aus Russland ist seit dem Ausbruch des Krieges mit hohen Hürden verbunden. Nach russischen Vorgaben müssen Unternehmen aus sogenannten «unfreundlichen Staaten», also Ländern mit Sanktionen gegen Russland, beim Verkauf ihrer Geschäfte in der Regel hohe Abschläge hinnehmen und eine erhebliche Abgabe an den Staat leisten. Auch die RBI prüft seit Kriegsbeginn einen Verkauf, verwies aber stets auf die schwierigen Bedingungen und nötigen Genehmigungen bis hin zu Präsident Wladimir Putin.
Dass solche Vorhaben scheitern können, zeigt das Beispiel der niederländischen Bank ING. Das Institut hatte den Verkauf seines Russlandgeschäfts bereits angekündigt, die Transaktion später jedoch abgesagt, da der Käufer die nötigen Genehmigungen nicht erhielt. Einigen Instituten gelang der Ausstieg dennoch: Die französische Societe Generale verkaufte ihr Russlandgeschäft 2022, die britische HSBC schloss ihren Ausstieg 2024 ab.
(Reuters)

