Mit Spannung blicken Anleger am Freitag auf eine mögliche Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs zur Rechtmässigkeit der von Präsident Donald Trump verhängten Zölle. Sollte das Gericht diese kippen, dürfte das für Unruhe an den Finanzmärkten sorgen. Im November äusserten sich die Richter bereits skeptisch, ob Trump sich auf Notstandsgesetze berufen kann, um ohne Zustimmung des Kongresses Sanktionen zu erheben. Laut Online-Wettanbietern wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Zölle bestehen bleiben, derzeit bei 30 Prozent gesehen.
«Wir haben noch nie ein Urteil mit solch weitreichenden wirtschaftlichen Folgen erlebt», sagte Eddie Ghabour, Chef von KEY Advisors Wealth Management. Sollte die Regierung zur Rückzahlung aller Zölle verpflichtet werden, wäre das ein massiver Rückschlag für die Märkte. «Das käme einem Liquiditätsabfluss aus dem System gleich.» Die Zollankündigung im April letzten Jahres hatte die Aktienmärkte zunächst belastet, da Anleger angesichts der Unsicherheit in sichere Anlagen flüchteten.
Anschliessend erholten sich die Börsen aber wieder und gingen auf Rekordjagd. Dank der Aussicht auf sinkende Zinsen und der Fantasie im KI-Sektor setzt der Aktienindex Dow Jones aktuell zum Sprung auf die 50'000-Punkte-Marke an. Einige Investoren sehen weiteres Aufwärtspotenzial, wenn das Gericht die bestehenden Zölle zurücknimmt. Profiteure wären insbesondere Unternehmen, die hohe Importkosten tragen müssen.
Allerdings dürfte zunächst ein Streit um die Erstattung von bis zu 150 Milliarden Dollar durch die US-Regierung für bereits von Importeuren gezahlte Zölle entbrennen. Einige Unternehmen gehen davon aus, dass Trump es ihnen nicht leicht machen wird, Rückerstattungen zu erhalten, selbst wenn das Gericht seine Zölle für ungültig erklärt.
Sollten die Prognosen falsch liegen und das Gericht Trumps Zölle bestätigen, könnte es an den Börsen abwärts gehen. «Wenn man Trump erlaubt, mit Zöllen auf eine Weise zu drohen, die Anleger als unberechenbar empfinden, würde das die Märkte verunsichern», sagte Alex Morris, Investmentexperte bei F/m Investments.
Ob die Entscheidung überhaupt gefällt wird, steht noch nicht fest. Es wird erwartet, dass das Gericht am Freitagnachmittag (MEZ) Urteile verkünden wird. Wie üblich wird aber im Vorfeld nicht mitgeteilt, in welchen Fällen entschieden wird. Trump ist der erste Präsident, der den sogenannten International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977 zur Verhängung von Zöllen angewendet hat. Dieses Gesetz wurde in der Vergangenheit zur Verhängung von Sanktionen gegen US-Gegner oder zum Einfrieren ihrer Vermögenswerte genutzt.
(Reuters)

