Unter ‌dem ⁠Strich gingen 92.000 Jobs ausserhalb der Landwirtschaft verloren, wie aus dem am Freitag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Auch wenn ⁠eine Kältewelle und Streikaktionen zu dem Einbruch beigetragen haben, rieben sich Experten beim Anblick der überraschend schlecht ausgefallenen Zahlen die Augen. Wie ‌sich nun herausstellte, waren im Dezember bereits 17.000 Jobs abgebaut worden, gefolgt von einem ‌Stellenplus von 126.000 (ursprünglich 130.000) im Januar. Getrübt wurde ​das Bild auch durch einen überraschenden Anstieg der Arbeitslosenquote im Februar auf 4,4 Prozent von 4,3 Prozent im Januar.

Für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die stabile Preise sichern und Vollbeschäftigung fördern soll, dürften die enttäuschend ausgefallenen Daten ein Alarmzeichen sein. An den Terminmärkten wurde die Chance auf eine Zinssenkung im Juni nach dem Job-Report auf rund 50 Prozent ‌taxiert. Die Notenbankerin Mary Daly sagte, die jüngsten Daten zeigten, dass der Arbeitsmarkt verwundbar sei. Doch basiere die Fed ihre Entscheidungen nicht auf einem monatlichen Wert.

Die Fed hat den Leitzins zuletzt nach drei Senkungen in Folge in der Spanne ​von 3,50 bis 3,75 Prozent gehalten. Angesichts des Ende Februar ausgebrochenen Iran-Kriegs sind die Öl- ​und Benzinpreise gestiegen, was neue Inflationssorgen schürt. Notenbankdirektor Christopher Waller erwartet ​jedoch nicht, dass der Anstieg zu anhaltender Inflation führt und eine Zinsänderung erforderlich macht. Doch auch die Entwicklung am Jobmarkt muss der Fed Sorge ‌bereiten: «Der US-Arbeitsmarkt ist angeschlagen», konstatiert VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel.

Die Anleger zeigten sich verunsichert. Der Dax und die Futures für die wichtigsten US-Indizes weiteten nach der Veröffentlichung ihre Verluste aus und lagen zuletzt zwischen 1,3 und 1,8 Prozent im Minus. ​Der Dollar-Index und ​die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen gaben hingegen nur zeitweise nach.

«AUSREISSER ⁠NACH UNTEN» Commerzbank-Ökonom Christoph Balz interpretiert die Februar-Zahlen als «Ausreisser nach unten». So ​habe allein ein Streik im Gesundheitssektor ⁠in Kalifornien die Beschäftigung um 31.000 gedrückt. Ausserdem könnte die Kältewelle die Beschäftigung stärker als erwartet gedämpft haben, ablesbar ‌etwa am Rückgang der Baubeschäftigung: «In jedem Fall bewegen sich die monatlichen Beschäftigungszuwächse seit einiger Zeit unter grösseren Schwankungen nur noch um die Null-Linie.»

Der Experte Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg verweist darauf, dass ‌auch die Haushaltsumfrage, die der Berechnung der Arbeitslosenquote zugrunde liegt, einen Beschäftigungsrückgang aufweist. Die ​maue Lage am Arbeitsmarkt schlage aber erstaunlicherweise nicht auf die Lohnentwicklung durch. Die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen zum zweiten Mal in Folge mit einer Monatsrate von 0,4 Prozent an: «Die Aufgabe der US-Notenbank wird dadurch nicht einfacher. Wir rechnen mit einer Leitzinssenkung für die Jahresmitte ‌2026», sagte der LBBW-Ökonom.