Grund für den frischen Wind ist eine Hochstufung der Aktie durch JPMorgan von «Neutral» auf «Overweight». Das Kursziel wurde von 90 auf 100 Franken emporgeschraubt. Das ist ein Aufwärtspotenzial von rund 20 Prozent.
Die zuständige JPMorgan-Analystin mutmasst, dass das Geschäftsjahr 2027 für den Konsumgüterkonzern ein «herausragendes Jahr» werden könnte. Sie geht davon aus, dass das Unternehmen seine mittelfristigen Ziele – ein organisches Wachstum von über 4 Prozent sowie eine Marge von mehr als 17 Prozent – erreichen wird. Sie erwartet ebenfalls einen Anstieg des realen internen Wachstums, das Preiserhöhungen oder Wechselkurseffekte ausschliesst, auf 2 Prozent.
Die Verbesserung setze allerdings eine Trendwende in den USA sowie eine anhaltend starke Performance in den Schwellenländern voraus, wie die Analystin einräumt. Nestlé müsse seine Marketing- und Innovationskraft zudem stärken.
Der Kursanstieg von Nestlé in den letzten zwei Wochen kommt allerdings von einem sehr tiefen Niveau. Noch Ende September erreichten die Titel bei fast 74 Franken den tiefsten Wert seit Mitte Februar 2026. Die Aktien waren damit auf schlechtem Weg, die Mehrjahrestiefstände vom letzten Herbst zu testen.
Hohes Nestlé-Kursziel von JPMorgan muss in Relation gesetzt werden
Das wäre ein herber Rückschlag gewesen für CEO Philipp Navratil, der die Führung des Nahrungsmittelkonzerns vor rund einem Jahr in einer der grössten Krisen der Firmengeschichte übernahm. Er will Nestlé stärker auf wachstums- und margenstärkere Geschäftsfelder trimmen.
Seit seiner Amtsübernahme konnte die Nestlé-Aktie die Marke von 85 Franken allerdings nie nachhaltig hinter sich lassen. Er räumte in einer TV-Sendung kürzlich auch ein, dass bei Investoren nach wie vor Skepsis herrsche, ob Nestlé die angestrebten Ziele erreichen könne (mehr dazu hier).
Das neue Kursziel von JPMorgan muss allerdings etwas in Relation gesetzt werden. 100 Franken ist derzeit das höchste Kursziel, das für die Nestlé-Aktie existiert. Das durchschnittliche Kursziel von 21 Analysten, die bei Bloomberg erfasst sind, liegt tiefer, nämlich bei 87,50 Franken. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von noch 7 Prozent für die nächsten zwölf Monate.
12 «Kaufen»-Empfehlungen stehen der Nestlé-Aktie ebenso viele «Neutral»-Ratings gegenüber. Ein Analyst rät zum Verkaufen der Nestlé-Aktie. Die Deutsche Bank hält die Nestlé-Aktie auch auf dem heutigen Niveau nicht für günstig bewertet, wie sie kürzlich in einer Studie schrieb.
Der nächste Test für Philipp Navratil und die Nestlé-Aktie folgt am 22. Oktober. Dann publiziert der Konzern die Zahlen zum dritten Quartal.

