Bei JPMorgan Chase wuchs der Nettogewinn im ersten Quartal 2026 um 13 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar. Die Citigroup legte beim Gewinn dank eines florierenden Wertpapierhandels sogar um 42 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar zu. Starke Schwankungen bei Kursen und Preisen zwingen die Kunden von Investmentbanken dazu, aktiver zu handeln, ihre Portfolien umzuschichten und sich gegen neue Risiken abzusichern. Der Krieg im Iran hatte die Märkte zeitweise auf Talfahrt geschickt, dazu kamen Ängste im Software-Sektor, dass Künstliche Intelligenz viele Anwendungen überflüssig machen könnte. Gleichwohl lassen sich Grosskonzerne von dem unsicheren Umfeld nicht bei grossen Zukäufen stören.
Das hatte sich auch schon im Geschäft der Investmentbank Goldman Sachs niedergeschlagen, die am Montag zum Auftakt der Berichtssaison ebenfalls die Erwartungen der Analysten übertroffen hatte. Ähnlich wie bei Goldman Sachs gingen aber die Aktien von JPMorgan am Dienstag in die Knie, Citi legten dagegen ein Prozent zu.
JPMorgan-Chef Jamie Dimon bremste die Euphorie angesichts der guten Zahlen: Er warnte vor «zunehmend komplexen Risiken», die mit den geopolitischen Spannungen und Kriegen verbunden seien. Diese führten zu starken Schwankungen der Energiepreise, Unsicherheit im Handel, hohen Haushaltsdefiziten und steigenden Preisen. «Wenngleich wir nicht voraussagen können, wie sich diese Risiken und Unsicherheiten am Ende darstellen werden, sind sie hoch und bestärken uns darin, das Unternehmen auf alle möglichen Entwicklungen vorzubereiten», mahnte er. In den USA sei die Konjunktur aber noch widerstandsfähig, die Verbraucher seien weiter in Kauflaune, fügte Dimon hinzu. Die Entwicklungen im Nahen Osten könnten Fusionen und Übernahmen aber verzögern.
Die Erträge bei JPMorgan stiegen von Januar bis März um zehn Prozent auf 50,5 Milliarden Dollar und übertrafen ebenso wie der Nettogewinn die Prognosen der Analysten. Im Kapitalmarktgeschäft lag das Plus sogar bei 20 Prozent - wobei die Bank anders als Goldman Sachs vor allem im Geschäft mit Anleihenund anderen festverzinslichen Papieren zulegte. Citi erwirtschaftete mit 24,6 Milliarden Dollar so hohe Erträge wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Erträge im Kapitalmarktgeschäft kletterten insgesamt um 19 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar. Am stärksten wuchsen dabei die Erlöse im Aktienhandel mit 39 Prozent, aber auch im Anleihenhandel legte Citi um 13 Prozent zu.
Grundsätzlich rechnen US-Investmentbanken mit einem guten Jahr: zum einen, weil die Regierung von US-Präsident Donald Trump Fusionen und Übernahmen eher erleichtern dürfte, zum anderen, weil grosse Börsengänge von KI- und Raumfahrt-Firmen bevorstehen. Der Iran-Krieg und andere politische Krisen haben Unternehmen bisher kaum von Zukäufen abgehalten. Bei JPMorgan legten die Gebühren für die Beratung bei Übernahmen im ersten Quartal um 28 Prozent zu.
Anders als Goldman Sachs haben JPMorgan und die Bank Wells Fargo, die am Dienstag ebenfalls Zahlen vorlegte, grosse Kreditbücher. Dabei blicken Investoren auf den Zinsüberschuss, der angesichts der jüngsten Zinssenkungen der Federal Reserve unter Druck geraten war. JPMorgan legte um neun Prozent auf 25,5 Milliarden Dollar zu. Bei Wells Fargo fiel der Zinsüberschuss mit 12,1 Milliarden etwas geringer aus als erwartet. Die Bank darf seit Mitte 2025 nach sieben Jahren ihr Geschäft wieder ausbauen. Die US-Notenbank Fed hatte ihre Bilanzsumme begrenzt, nachdem die Bank mit 200'000 Mitarbeitern wiederholt mit unlauteren Praktiken aufgefallen war, darunter der massenhaften Eröffnung von Konten ohne Wissen von deren Inhabern.
(Reuters)

