Das US-Finanzinstitut Jefferies erhöht das Kursziel der UBS auf nicht weniger als 60 Franken. An der Börse kommt die gut an: Die UBS-Aktien legen am Donnerstag kurz nach Handelsbeginn um rund 1,7 Prozent auf 40,68 Franken zu.

Mit diesem Update erneuert Analyst Joseph Dickerson seine Kaufempfehlung für die Grossbank. Er geht davon aus, dass die UBS die Gewinnerwartungen im zweiten Quartal übertreffen wird. Rückenwind erhalte die Bank vor allem durch das dynamische Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA und Asien, wo Kreditwachstum, Neugeldzuflüsse und Margen weiter zunehmen. Der aktuell boomende IPO-Markt mit einer zunehmenden Anzahl an Börsengängen sowie ein verstärktes Übernahmevolumen könnten zudem die Ergebnisse der Investmentbank der UBS positiv beeinflussen. Vor diesem Hintergrund sieht Dickerson die Titel weiterhin günstig bewertet.

Zwar stellt Jefferies unter den sogenannten Sell-Side-Analysten - also Analysten, die für Banken oder Finanzinstitute arbeiten und Anlageempfehlungen abgeben - das mit Abstand höchste Kursziel am Markt. Das zweithöchste Kursziel wird laut Bloomberg von der Landesbank Baden-Württemberg bei 43,50 Franken festgelegt. Doch bereits vor zwei Jahren prognostizierte ein Experte aus einer anderen Ecke des Finanzmarkts einen Kursanstieg auf diese Niveaus.

Im Dezember 2023 beteiligte sich der aktivistische Finanzinvestor Cevian an der UBS. Für 1,12 Milliarden Franken kaufte der schweizerisch-schwedische Investor 1,3 Prozent der ausstehenden Aktien der Grossbank zu einem Kurs von rund 26 Franken.

Cevian war von einer massiven Unterbewertung überzeugt: «UBS ist stark und wird in Zukunft noch stärker», prophezeite Cevian-Mitgründer Lars Förberg damals gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» und erwartete eine Verdoppelung des Aktienkurses. Ein zentraler Teil der These war der damals sehr hohe Bewertungsabschlag gegenüber den US-Konkurrenten. Mittlerweile hält Cevian 1,47 Prozent des Aktienkapitals. Der Wert der Beteiligung beträgt knapp 2 Milliarden Franken. 

Im ersten Punkt behielt Förberg recht: Der Gewinn hat sich in den beiden letzten Jahren etwa verdoppelt. Für die kommenden Jahre wird auch weiterhin mit Gewinnwachstum gerechnet – wenngleich mit 40 Prozent bis ins Jahr 2030 etwas abgeschwächt.

Im zweiten Punkt lag Förberg hingegen komplett daneben. Die Bewertungslücke hat sich nicht geschlossen, sondern sogar vergrössert. Heute ist die UBS laut Preis-Buchwert-Verhältnis (PBW) gegenüber den US-Konkurrenten noch günstiger bewertet. Denn deren Bewertungen sind förmlich explodiert: Während Morgan Stanley vor zwei Jahren ein PBW von 1,6 aufwies, liegt es heute bei 3,2. Der Bewertungsanstieg der UBS von 0,8 auf 1,6 wirkt im Vergleich dazu geradezu bescheiden.

Ein zentraler Grund für den Bewertungsabschlag ist die weiterhin andauernde politische Diskussion über die Eigenmittelvorschriften - also die Regeln, die bestimmen, wie viel Eigenkapital die Bank vorhalten muss, um Risiken abzudecken - der Grossbank. Einige Marktteilnehmer verknüpfen einen Bewertungsanstieg mit tieferen Eigenmittelvorschriften. 

Je länger diese Unsicherheit anhält, desto stärker rückt aber ein alternatives Szenario in den Fokus: Nicht unbedingt eine Verbesserung dieser Rahmenbedingungen respektive Eigenmittelvorschriften, sondern bereits das Ende der regulatorischen Debatte könnte ausreichen, um das Vertrauen der Investoren zu stärken und neue Impulse zu liefern. Dies könnte dann endlich zu der erhofften Verkleinerung der Bewertungslücke führen - mit dauerhaft höheren Kursniveaus.

Luca_Niederkofler
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