Das US-Handelsdefizit hat sich im November überraschend kräftig ausgeweitet und den stärksten prozentualen Anstieg seit fast 34 Jahren verzeichnet. Das ‌Defizit ‌habe sich fast verdoppelt und sei um 94,6 Prozent auf 56,8 Milliarden Dollar gestiegen, teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ​nur mit einem Anstieg auf 40,5 Milliarden Dollar ‌gerechnet. Der prozentuale Zuwachs war der grösste ‌seit März 1992. Allerdings war das von US-Präsident Donald Trump kritisch beäugte Handelsdefizit im Oktober auch auf das niedrigste Niveau seit Mitte 2009 geschrumpft.

Volkswirte dürften nun ihre Schätzungen für das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2025 ⁠senken. Getrieben wurde das hohe Defizit von einem kräftigen Anstieg der gesamten Importe, die um fünf Prozent auf 348,9 Milliarden Dollar zulegten. Die Einfuhren von Waren ​stiegen sogar um 6,6 Prozent. Vor allem die Importe ‌von Kapitalgütern wie Computern und Halbleitern schnellten ‍um 7,4 Milliarden Dollar auf ein Rekordhoch, was mit dem Investitionsboom im Bereich der Künstlichen ​Intelligenz zusammenhängen könnte. Auch die Einfuhren von Konsumgütern, insbesondere von pharmazeutischen Produkten, nahmen deutlich zu.

Gleichzeitig brachen die gesamten Exporte um 3,6 Prozent auf 292,1 Milliarden Dollar ‌ein. Die Ausfuhren von Waren fielen sogar ⁠um 5,6 Prozent. Belastet wurde die Bilanz ‌hier von einem Rückgang bei Industriegütern und Rohstoffen um 6,1 Milliarden Dollar. Auch die Exporte von ‍Konsumgütern sanken.

Die schlechtere Handelsbilanz dürfte die Erwartungen der Ökonomen dämpfen, dass der Aussenhandel im vierten Quartal erneut einen deutlichen Wachstumsimpuls ​geliefert hat. Das Defizit ist Trump ein Dorn im ‍Auge und Grund für seine weltweit striktere Handelspolitik mit kräftigen Zollerhöhungen. 

(Reuters)