Der von den USA ausgelöste Nahost-Krieg heizt die Inflation in ‌den ⁠Vereinigten Staaten deutlich an. Die Importpreise erhöhten sich im April zum Vormonat um 1,9 Prozent, wie die US-Regierung am Donnerstag mitteilte. ⁠Experten hatten nur einen Zuwachs von 1,0 Prozent erwartet. Im März waren es noch 0,9 Prozent. Die Preise für importierte Kraftstoffe schossen im April ‌um 16,3 Prozent nach oben. Das ist der stärkste Anstieg seit März 2022.

Die ‌Importpreise sind ein Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. Der ​Energiepreisanstieg im Zuge des Iran-Krieges hat die Teuerungsrate in den USA im April bereits auf 3,8 Prozent getrieben - den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Die US-Notenbank Fed strebt langfristig zwei Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an. Wegen der hohen Inflation rechnen Beobachter zunächst nicht mehr mit Zinssenkungen der Fed. Die USA importieren viele Waren, Vorprodukte und Rohstoffe aus ‌Übersee. Daher wirken sich steigende Einfuhrpreise auf die Lebenshaltungskosten aus.

Der private Konsum ist der Haupttreiber der US-Wirtschaft und macht mehr als zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes aus. Nach Angaben des Handelsministeriums haben US-Einzelhändler ihren Umsatz im April um 0,5 Prozent im Vergleich zum ​Vormonat gesteigert. Ein Teil davon dürfte auf die jüngsten Preisanstiege zurückgehen. Von Reuters befragte Experten ​hatten genau mit dieser Erhöhung gerechnet, nach einem Zuwachs von 1,6 Prozent ​im März.

US-Präsident Donald Trump hatte diese Woche angekündigt, die Benzinsteuer des Bundes aussetzen zu wollen. Der Schritt würde die Kraftstoffpreise, die landesweit im Durchschnitt bei ‌über 4,50 Dollar pro Gallone liegen, um 18 Cent senken. Das wären umgerechnet vier Euro-Cent pro Liter. Erfahrungsgemäss löst ein Benzinpreis oberhalb von vier Dollar pro Gallone öffentliche Kritik und wirtschaftliche Sorgen aus. Dies bestätigte sich seit Kriegsbeginn wieder. Die Verbraucherstimmung fiel ​kürzlich auf ein ​Rekordtief. In einer Umfrage von Reuters/Ipsos aus dem Mai gaben ⁠zudem mehr als sechs von zehn Amerikanern an, dass sie unter den ​höheren Benzinpreisen leiden. Nach Angaben ⁠der US-Energieinformationsbehörde stiegen die Benzinpreise im April um 12,3 Prozent.

Die USA hatten zusammen mit Israel Ende Februar den Iran angegriffen. Dieser ‌wiederum attackierte mehrere Länder am Persischen Golf. Die für Energielieferungen wichtige Strasse von Hormus - eine Meerenge zwischen dem Iran und Oman - ist seitdem weitgehend gesperrt. Das führt in mehreren Ländern zu Öl- und Gasengpässen ‌und fast überall zu höheren Preisen.

Der Arbeitsmarkt in den USA zeigte sich indes stabil. ​Die Zahl der Amerikaner, die einen Antrag auf staatliche Arbeitslosenunterstützung stellten, stieg in der vergangenen Woche nur moderat an. In der Woche bis zum 9. Mai wurden saisonbereinigt 211'000 Erstanträge gezählt, teilte das Arbeitsministerium mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten 205.000 Anträge prognostiziert.

(Reuters)