Die USA und der Iran haben ihre gegenseitigen Angriffe fortgesetzt und sich gegenseitig den Bruch eines vorläufigen Waffenstillstands vorgeworfen. Nach US-Luftangriffen auf Überwachungsanlagen an der iranischen Südküste feuerten die iranischen Revolutionsgarden am Sonntag Raketen und Drohnen auf US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain. Einem US-Vertreter zufolge gab es zunächst keine Berichte über Opfer oder grössere Schäden an den Einrichtungen. Das iranische Aussenministerium erklärte, die US-Angriffe verletzten das vorläufige Abkommen zur Beendigung des viermonatigen Krieges.
Das US-Zentralkommando teilte mit, die eigenen Angriffe seien eine direkte Reaktion auf die anhaltende iranische Aggression gegen die Handelsschifffahrt. Demnach war am Samstag ein unter der Flagge Panamas fahrender Tanker in der Strasse von Hormus von einer iranischen Drohne getroffen worden.
Donald Trump droht erneut mit der Vernichtung
US-Präsident Donald Trump erklärte auf seiner Plattform Truth Social, die USA könnten gezwungen sein, den Einsatz militärisch zu beenden. «Wenn das passiert, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren!», schrieb er. Die Revolutionsgarden betonten wiederum, die US-Angriffe führten zu einer vollständigen Einstellung aller diplomatischen Prozesse.
Das vorläufige 14-Punkte-Abkommen sollte die am 28. Februar begonnenen Kämpfe stoppen und die strategisch wichtige Strasse von Hormus wieder für die Schifffahrt öffnen. Vor einer Woche hatten US-Vizepräsident JD Vance und der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf in der Schweiz vermittelt, woraufhin die Regierung in Washington ihre Sanktionen gegen den Iran aussetzte. Durch die Meerenge wird üblicherweise ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl und Flüssigerdgas transportiert. Seit Ausbruch des Konflikts sassen hunderte Schiffe mit ihren Besatzungen im Persischen Golf fest. Als diese in den vergangenen zwei Wochen begannen, die Meerenge wieder zu passieren, gaben die Ölpreise nach. Zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik gibt es zudem Streit über die Routenführung: Während die USA eine südliche Route entlang der Küste von Oman befürworten, fordert der Iran die Nutzung einer nördlichen Route unter eigener Kontrolle.
Der Iran wirft den USA darüber hinaus vor, sich nicht an die Zusagen für einen Waffenstillstand im Libanon zu halten. Dort geht der US-Verbündete Israel gegen die Hisbollah-Miliz vor. Das israelische Militär teilte am Sonntag mit, es habe in der Gegend von Nabatija im Süden des Libanon Hisbollah-Kämpfer getötet und eine Raketenabschussrampe zerstört. Am Samstag hatte die israelische Armee zudem mehrere bewaffnete Kämpfer im Süden Syriens getötet. Israel ist nicht an dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran beteiligt. Ein am Freitag unter US-Vermittlung vereinbarter Waffenstillstand im Libanon gilt als äusserst brüchig, da Israel einen Abzug seiner Armee ablehnt und die Hisbollah eine Entwaffnung verweigert, solange israelische Truppen im Land stehen.
(Reuters)
