Der US-Stahlverarbeiter Worthington Steel will den deutschen Stahlhändler Klöckner&Co (KlöCo) für 2,1 Milliarden Euro übernehmen. Worthington bietet den Aktionären im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots elf Euro je Aktie in bar, wie die beiden Unternehmen in der Nacht zum Freitag nach Unterzeichnung einer Zusammenschlussvereinbarung mitteilten. Vorstand und Aufsichtsrat von KlöCo unterstützen die Offerte. Auch einen KlöCo-Grossaktionär hat der US-Konzern bereits auf seine Seite gezogen. Im Zuge der Übernahme seien keine Entlassungen oder Schliessungen von Standorten geplant. An der Börse legten die KlöCo-Aktien am Morgen um knapp 30 Prozent zu und notierten bei elf Euro.
Der Angebotspreis entspreche einer Prämie von rund 81 Prozent auf den Schlusskurs vom 5. Dezember 2025, hiess es weiter. An diesem Tag hatte KlöCo erstmals Gespräche über eine mögliche Transaktion bestätigt. Auf Basis des volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurses bis zu diesem Datum beträgt der Aufschlag rund 98 Prozent. Der Grossaktionär SWOCTEM GmbH, die Holding des hessischen Unternehmers und Rittal-Eigners Friedhelm Loh, habe sich bereits mit einer unwiderruflichen Annahmeverpflichtung bereit erklärt, seinen gesamten Anteil von 41,53 Prozent anzudienen. Auch die Vorstandsmitglieder wollen ihre Aktien verkaufen.
«Der Zusammenschluss mit Worthington Steel würde einen entscheidenden Schritt bei der Fokussierung auf höherwertige Produkte und Services markieren», sagte KlöCo-Chef Guido Kerkhoff: «Worthington Steel ist der ideale Partner, um unseren Erfolg und unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.» Der Chef von Worthington Steel, Geoff Gilmore, erklärte: «Klöckner & Co bringt eine beeindruckende Marktpräsenz in Europa und Nordamerika, ein innovatives Produktportfolio sowie langfristige Kundenbeziehungen mit. Diese Stärken ergänzen unser eigenes Profil auf ideale Weise.»
In der Vereinbarung sichert Worthington zu, dass der Sitz von KlöCo für das europäische Geschäft in Düsseldorf verbleibt und das Unternehmen vom derzeitigen Vorstand weitergeführt wird. Entlassungen oder Standortschliessungen seien nicht geplant. Zudem sollen alle bestehenden Betriebsvereinbarungen gültig bleiben. Worthington Steel beabsichtigt jedoch, nach Abschluss der Transaktion angemessen im Aufsichtsrat vertreten zu sein. Das Angebot steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 65 Prozent und der Zustimmung der Kartellämter. Worthington Steel strebt den Abschluss des Deals für das zweite Halbjahr 2026 an. Nach einem erfolgreichen Abschluss prüft das US-Unternehmen zudem die Möglichkeit eines Herausdrängens der verbliebenen Aktionäre (Squeeze-Out) und eines Rückzugs von der Börse.
Worthington ist wie KlöCo ein Metallverarbeiter, der den Kunden etwa beim Flachstahl Vorarbeiten abnimmt und dadurch höhere Margen erzielen kann. Das 1955 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Columbus im Bundesstaat Ohio beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter an 37 Standorten, vor allem in den USA, aber auch in Europa. Worthington Steel erzielte im Geschäftsjahr 2025 (per Ende Mai) einen Umsatz von 3,8 Milliarden Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro). KlöCo beschäftigt rund 6000 Menschen an 110 Standorten. Der Konzern hatte 2024 einen Umsatz von rund 6,6 Milliarden Euro eingefahren. In die Ehe mit Worthington könnte KlöCo indes ohne die Tochter Becker Gruppe gehen. KlöCo plane einen Verkauf der Becker Gruppe mit rund 500 Mitarbeitern, teilte das Unternehmen mit. KlöCo wolle ohne Becker «den Fokus stärker auf höherwertige Produkte und Services legen».
(Reuters)
