Aktivisten aus der US-Stadt Minneapolis dringen auf einen Verkauf ‌des ⁠Pakets, wie sie anlässlich der Aktionärsversammlung der Notenbank am Freitag erklärten. Hintergrund ist die ⁠Verwicklung des Datenanalyse-Unternehmens in das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE. Eine Delegation aus Minneapolis war in die Schweiz ‌gereist, um eine entsprechende Forderung des dortigen Stadtrats zu ‌überbringen. «Palantir ist eine Bedrohung für unsere ​Demokratie, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auf der ganzen Welt», sagte Janette Corcelius, ein Mitglied der Delegation, die von der Kampagnengruppe BreakFree Suisse zur Generalversammlung der SNB in Bern eingeladen worden war.

Das vom Tech-Milliardär Peter Thiel mitgegründete Unternehmen Palantir ‌hatte im vergangenen Jahr einen Vertrag zur Entwicklung von Überwachungssystemen für die ICE erhalten. Nachdem im Januar in Minneapolis zwei US-Bürger bei getrennten Vorfällen mit Einwanderungsbeamten erschossen worden waren, steht ​die Arbeit der Firma verstärkt am Pranger.

Die SNB, die ​ihre Bestände regelmässig überprüft, lehnte einen Kommentar zu ​Einzelwerten ab. Laut Unterlagen der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) hielt die Nationalbank Ende 2025 im Rahmen ihrer 725 Milliarden Franken ‌starken Devisenanlagen rund 1,1 Milliarden Franken in Palantir-Aktien. Die Notenbank investiert ihre Währungsreserven breit in globale Aktienmärkte, wobei sie Aktien entsprechend ihrer Gewichtung auf den globalen Märkten kauft, anstatt ​einzelne Unternehmen ​auszuwählen. Laut ihren Richtlinien schliesst sie ⁠Investitionen in Unternehmen aus, die grundlegende Menschenrechte schwerwiegend verletzen.

Andere ​Grossinvestoren wie der nordische ⁠Finanzdienstleister Storebrand Asset Management haben sich wegen der umstrittenen Verträge bereits von Palantir getrennt. «Palantir ‌verstösst eindeutig gegen die Richtlinien der SNB», sagte Guillaume Durin von BreakFree Suisse. «Die Investition der SNB verleiht Unternehmen wie Palantir einen Anstrich von ‌Seriosität.»

Palantir reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Konzernchef ​Alex Karp hatte die Überwachungstechnologie jedoch Anfang des Jahres verteidigt und auf Schutzvorkehrungen gegen staatlichen Machtmissbrauch verwiesen.

(Reuters)