Das US-Militär hat die für den Ölexport wichtige iranische Insel Charg im Persischen Golf beschossen. Es seien dort militärische Ziele zerstört worden, teilte das US-Militär am Freitag mit. US-Präsident Donald Trump erklärte auf einer Social-Media-Plattform, die USA hätten «jedes MILITÄRISCHE Ziel vollständig ausgelöscht». Er drohte damit, dass auch die Ölinfrastruktur ins Visier genommen werden könne, sollte der Iran den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus weiter behindern.
Die Streitkräfte des Irans erwiderten am Samstag iranischen Medien zufolge, jeder Angriff auf die Öl- und Energieinfrastruktur des Landes werde zu Angriffen auf die Energieinfrastruktur von Ölkonzernen führen, die mit den USA in der Region kooperieren. Selbst kleinere Störungen des komplexen Netzwerks aus Pipelines, Terminals und Lagertanks auf Charg könnten das weltweite Angebot an Erdöl weiter verknappen und den Druck auf einen bereits volatilen Markt erhöhen.
Die US-Angriffe zielten nicht auf die Ölinfrastruktur von Charg ab, schrieb Trump weiter. Aber «sollte der Iran oder irgendjemand anderes etwas unternehmen, um die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Strasse von Hormus zu behindern, werde ich diese Entscheidung sofort überdenken». Trump erklärte, der Iran könne sich nicht gegen US-Angriffe verteidigen. «Das iranische Militär und alle anderen, die mit diesem Terrorregime verbunden sind, täten gut daran, die Waffen niederzulegen und das zu retten, was von ihrem Land noch übrig ist – und das ist nicht mehr viel!», postete er auf seiner Plattform «Truth Social».
Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf Insider, dass während der US-Angriffe mehr als 15 Explosionen auf der Insel Charg zu hören waren. Demnach wurden Luftverteidigungsanlagen, ein Marinestützpunkt und Flughafeneinrichtungen getroffen, die Ölinfrastruktur blieb jedoch unbeschädigt.
90 Prozent von Irans Ölexporten gehen über Charg
«Wenn man die Infrastruktur von Charg ausschaltet, nimmt man zwei Millionen Barrel pro Tag für immer vom Markt», sagte Dan Pickering, Investmentchef bei Pickering Energy Partners. Patrick De Haan, Analyst beim US-Preisbeobachter GasBuddy, zeigte sich besorgt, dass der Konflikt angeheizt werde. «Der Iran hat weniger zu verlieren, und es scheint zu eskalieren.» Wenn der Iran in die Enge getrieben werde, sei er sehr geneigt zu handeln.
Über die Insel Charg werden 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt. Sie gilt seit langem als eine entscheidende Schwachstelle. Auf den US-Angriff dürfte die Führung in Teheran mit einer harten Reaktion antworten. Die Insel liegt 26 Kilometer vor der iranischen Küste und etwa 483 Kilometer nordwestlich der Strasse von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet und durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandes gehen. Die Gewässer um Charg sind tief genug für Supertanker, die sich den flachen Küstengewässern des Festlandes nicht nähern können.
Ein Grossteil des von Charg aus verschifften Öls geht nach China, dem weltweit grössten Rohölimporteur. Daten des Tanker-Trackers Kpler zufolge macht iranisches Öl in diesem Jahr 11,6 Prozent der chinesischen See-Importe aus. Trotz des Krieges, der am 28. Februar von Israel und den USA begonnen wurde, hat der Iran nach Daten von TankerTracker.com und Kpler weiterhin zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Barrel pro Tag exportiert.
Der Iran ist der drittgrösste Opec-Produzent und fördert etwa 4,5 Prozent des weltweiten Ölbedarfs. Die Produktion beläuft sich auf etwa 3,3 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, hinzu kommen 1,3 Millionen Barrel Kondensat und andere Flüssigkeiten.
(Reuters)

