Sie hob den geldpolitischen Schlüsselsatz am Mittwoch um einen viertel Prozentpunkt an - auf die neue Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten unisono damit gerechnet. Im Juni hatten die US-Währungshüter um ihren Chef Jerome Powell die Füsse noch stillgehalten. Der jetzt vollzogene elfte Zinsschritt nach oben könnte nach Ansicht vieler Experten zugleich der letzte sein. Die Tür für eine weitere Erhöhung bleibt aber offen. Laut Powell ist im September durchaus eine weitere Anhebung drin, wenn die Datenlage es erfordern sollte. Allerdings sei auch eine Pause denkbar.

"War es das jetzt?", fragte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Bis Mitte September sollte sich aus seiner Sicht abzeichnen, dass sich die US-Wirtschaft deutlicher abschwäche: "Im September wird keine Notwendigkeit für weitere Zinsanhebungen mehr bestehen. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Zinsgipfel erreicht ist." Powell machte deutlich, dass sich die Zentralbank bei ihrer Entscheidung von der Datenlage leiten lassen wird: Die Währungshüter würden in den verbleibenden acht Wochen alle relevanten Konjunkturdaten genau unter die Lupe nehmen: "Mit besonderem Fokus auf die Inflation."

Sinkende Energiepreise sorgten zuletzt dafür, dass die US-Teuerungsrate im Juni um einen vollen Punkt auf 3,0 Prozent zurückging - der niedrigste Wert seit mehr als zwei Jahren. Die Zentralbank strebt 2,0 Prozent an, die nun allmählich in Sichtweite kommt. Powell erklärte, es sei sehr zu begrüssen, dass die Inflation gesunken sei. Doch wolle man weitere Fortschritte in diese Richtung sehen.

Alle Augen auf Jackson Hole

LBBW-Ökonom Elmar Völker verweist darauf, dass sich die Fed für die nächste Sitzung im September alle Optionen offen halte. Der jüngste, unerwartet deutliche Inflationsrückgang spreche jedoch für eine erneute Zinspause: "Das Protokoll zum heutigen Zinsentscheid sowie das alljährliche Notenbank-Symposium in Jackson Hole könnten diesbezüglich weiteres Licht ins Dunkel bringen", sagte der Experte.

In der Vergangenheit war das Symposium von Jackson Hole, das dieses Jahr vom 24. bis 26. August abgehalten wird, oft ein Forum, um wichtige geldpolitische Signale zu geben. Dort stimmte Powell voriges Jahr Investoren auf einen langen Kampf gegen die Inflation ein. ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann sieht die Fed nun auf der Zielgeraden: Die Bremswirkungen der seit März 2022 erfolgenden konsequenten Zinserhöhungen zeigten sich inzwischen recht deutlich. Die Inflationsrate sei zuletzt überraschend schnell gefallen und der Arbeitsmarkt beginne sich abzukühlen: "Ausserdem liegt der Zins inzwischen sehr deutlich über der Inflationsrate und bremst weiter. Daher kann die Fed ab jetzt getrost abwarten und die weitere Entwicklung beobachten."

Powell rechnet nicht mit baldigen Zinssenkungen

Powell liess sich mit Blick auf das weitere Vorgehen jedoch nicht in die Karten schauen: "Wir müssen bereit sein, die Zinsen weiter anzuheben, wenn wir das für angemessen halten", sagte er auf der Pressekonferenz. Es sei jedoch nicht die Zeit, eine Prognose zum weiteren Kurs abzugeben.

Eine Lockerung in diesem Jahr ist für ihn aber noch kein Thema: "Ich glaube nicht, dass es dieses Jahr Senkungen gibt." Es sei zudem weiterhin wahrscheinlich, dass die Zinsserie der Fed die US-Konjunktur nicht abwürge und somit eine weiche Landung möglich sei. Die zuständige Fachabteilung der Fed prognostiziere keine US-Rezession mehr. Es sei somit durchaus realistisch, dass die Inflation zum Ziel zurückkehre, ohne dass grosse Arbeitsplatzverluste entstünden.

Investoren spekulieren nun auf einen zunächst konstant bleibenden Leitzins. Der Dollar-Index weitete am Mittwochabend seine früheren knappen Verluste aus und sank um 0,4 Prozent auf 100,92 Punkte ab. Die Renditen für die zehnjährigen US-Bonds fielen im Gegenzug zu den steigenden Kursen auf 3,855 nach zuvor 3,885 Prozent. Am Aktienmarkt zogen die Kurse kurzzeitig etwas an, um dann auf das Niveau von vor der Entscheidung zurückzufallen, als sie nahezu stagnierten.

(Reuters)