Zinsschritte nach oben könnten notwendig werden, falls der Iran-Krieg zu einem anhaltenden Anstieg der ohnehin hohen Inflation führt, hiess es laut Vertretern der US-Notenbank Fed. Die ‌Finanzmärkte wetten ⁠derzeit darauf, dass die Fed ihren Leitzins von derzeit 3,50 bis 3,75 Prozent bis zum Jahresende anheben wird. Vor ⁠dem Beginn des von den USA und Israel begonnenen Krieges hatten die Notenbanker noch eine Zinssenkung erwogen. Der Konflikt hat jedoch zu massiven Störungen ‌der Lieferketten und einem Anstieg der Energiepreise geführt.

Selbst die als geldpolitisch locker geltende ‌Fed-Vizechefin für Bankenaufsicht, Michelle Bowman, schliesst eine Straffung inzwischen nicht mehr ​aus. Es sei noch zu früh, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts zu bewerten, sagte sie auf einer Konferenz in Island. Sollten die Störungen jedoch bis weit in die zweite Jahreshälfte andauern, könnte sich dies breiter auf die Inflation auswirken. In diesem Fall würde sie ihre Einschätzung der Risikobilanz überdenken.

Der Chef der Fed von Minneapolis, Neel Kashkari, ‌erklärte, es sei zwar verfrüht für sofortige Zinserhöhungen. Er achte aber verstärkt auf die Gefahr, dass die Inflation weiter steigen und die Inflationserwartungen ausser Kontrolle geraten könnten.

Die Notenbankerinnen Anna Paulson und Mary Daly betonten, die Geldpolitik sei derzeit gut aufgestellt. ​Es gebe keine Eile für eine Anpassung, sagte Daly in einem Fernsehinterview. Ein künftiger Schritt ​hänge davon ab, wann der Krieg tatsächlich ende. Daly warnte aber, ​sie werde ihre Meinung ändern, falls die Ölpreise wegen eines anhaltenden Konflikts wieder steigen sollten.

Am Freitag gaben die Ölpreise um mehr als zwei Prozent ‌nach und steuerten auf den stärksten Wochen-Rückgang seit Anfang April zu. Zuvor hatte es Berichte gegeben, die USA und der Iran hätten sich auf eine Verlängerung ihrer Waffenruhe geeinigt.

Jüngste Daten unterstreichen die Inflationsrisiken. Der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE) stieg ​im April ​im Jahresvergleich auf 3,8 Prozent nach 3,5 Prozent im März, ⁠wie die US-Regierung am Donnerstag mitgeteilt hatte. Ein Indikator der New ​Yorker Fed für die zugrundeliegende Inflationsdynamik ⁠kletterte im April auf vier Prozent. Die Fed strebt eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Der Chef der ‌Fed von Kansas City, Jeffrey Schmid, forderte daher, auch den Abbau der Notenbankbilanz als Instrument zur Eindämmung der Preise in Betracht zu ziehen. Damit stellt er sich gegen den neuen Fed-Chef Kevin Warsh. Dieser ‌hatte sich zuvor skeptisch geäussert, die Anleihebestände der Zentralbank zur Unterstützung der Zinspolitik zu nutzen. ​Marktteilnehmer haben Warsh besonders im Blick. Er war von US-Präsident Donald Trump für den Posten nominiert worden. Trump hat wiederholt gefordert, die Zinsen in den USA deutlich zu senken und bei Zinsfragen gehört zu werden.

(Reuters)