«Meine persönliche Prognose ist, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte zurückgehen und im kommenden Jahr weiter sinken wird», sagte der Chef des regionalen Fed-Bezirks New York in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Die Federal Reserve sei geldpolitisch «gut aufgestellt», um die Inflation wieder auf das Zielniveau von 2,0 Prozent zurückzuführen. Wenn es absehbar nicht in diese Richtung gehen sollte, wäre es aus seiner Sicht jedoch absolut angemessen, Massnahmen zu ergreifen. Diese sollten dazu dienen, die Notenbank auf einen Kurs zu bringen, der die Inflation tatsächlich wieder auf zwei Prozent zurückführe.
Die Fed hatte vorige Woche entschieden, die Zinsspanne von 3,50 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Drei der zwölf Währungshüter im Offenmarktausschuss votierten für eine Erhöhung. Die Abweichlerin Beth Hammack verweist darauf, dass die Inflation seit mehr als fünf Jahren hartnäckig über dem Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent liegt. Sie sei nicht zuversichtlich, dass die Teuerung von selbst zum Zielwert der Fed zurückkehren werde.
Die US-Zentralbank hat besonders den sogenannten PCE-Index im Blick - ein Inflationsmass, das auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher zugeschnitten ist. Die daraus berechnete Teuerungsrate ging im Juni auf 3,7 Prozent zurück, nach 4,1 Prozent im Mai. Sie ist damit jedoch noch weit vom Fed-Ziel entfernt.
Hoffen auf Entspannung
Williams räumte ein, dass die Aussichten derzeit mit erheblicher Unsicherheit behaftet seien. Das erneute Aufflammen des Krieges im Nahen Osten lasse offen, wann die Energiepreise wieder nachgeben könnten. Er fügte jedoch hinzu, dass sich die Lage rasch bessern könnte, sobald eine Lösung gefunden sei und der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus wieder aufgenommen werde.
An den Märkten wird damit gerechnet, dass die Notenbank im September den Leitzins erhöht. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird von Händlern auf 63 Prozent taxiert. Auf die Frage, ob sich die Fed verpflichtet fühle, ihre Geldpolitik an der Marktlage auszurichten, erwiderte Williams: «Auf keinen Fall». Die Zentralbank beobachte die Finanzmärkte jedoch genau: «Wir müssen stets unsere eigene Analyse ausführen, unsere Arbeit machen und all die Faktoren bewerten, die die Wirtschaft und die Aussichten beeinflussen», sagte Williams.
Die Finanzmärkte müssen sich unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh auf eine veränderte Kommunikationspraxis der Notenbank einstellen. Dieser ist von der sogenannten «Forward Guidance» abgerückt – also Hinweisen auf den künftigen geldpolitischen Kurs.
(Reuters)

