cash.ch: Herr Tillis, der Anspruch von Donald Trump und der US-Regierung auf Grönland löst in Europa grosses Unbehagen aus. Können Sie das nachvollziehen? 

Thom Tillis: Ja, das ist verständlich. Es ist eigentlich unfassbar, dass NATO-Verbündete über die Inbesitznahme eines weiteren Stück Landes sprechen und dass da die Vereinigten Staaten involviert sind. Aber ich glaube, dass sich die Sache letztendlich regeln wird.

Wie sieht Ihr Szenario konkret aus? 

Die amerikanische Bevölkerung muss verstehen, dass wir in der Arktis Macht projizieren müssen und dass wir auch eine offene Einladung aus Grönland erhalten haben: Um unsere militärische Präsenz dort auszubauen, die NATO-Truppen vor Ort zu stationieren - und unmissverständlich klarzumachen, dass Grönland der beste und logischste Weg ist, um in dieser Region Macht zu projizieren. In der Blütezeit hatten wir hier 17 Militärstützpunkte. Jetzt haben wir nur noch einen. Vor einigen Jahren - ich glaube, es war unter der Biden-Regierung - boten sie sogar einen ihrer Militärstützpunkte im Süden Grönlands für einen Dollar an. Sie haben also eindeutig guten Willen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit gezeigt.

Aber sie sind dennoch skeptisch gegenüber dem Vorhaben der US-Regierung eingestellt?

Ich verstehe die aktuellen Bemühungen der Regierung als konservative Kraft, die einen Fokus auf Fiskalpolitik hat, nicht. Die amerikanische Bevölkerung sollte auch bedenken, dass Grönland, meines Wissens, nur etwa zwei Ampeln hat. Die Regierung muss verstehen, dass es sich um ein dünn besiedeltes Gebiet handelt, das sich hauptsächlich auf 17 städtische Gebiete konzentriert. Wir müssten also viele Strassen und Infrastrukturprojekte realisieren, wenn wir mit Grönland und Dänemark zusammenarbeiten würden, um Mineralien abzubauen, die Infrastruktur zu erweitern, bestehende Stützpunkte auszubauen und neue zu errichten.

Die USA engagieren sich militärisch in vielen Gebieten. Auch in Nigeria und im Iran, die nicht zur westlichen Hemisphäre gehören. Was sagt die konservartive und heimtabezogene MAGA-Bewegung in den USA zu diesem weltweiten Engagement der USA?

Die Reaktionen sind ambivalent. Als Fiskalkonservativer mache ich mir zunächst Sorgen um unsere Staatsverschuldung. Ich möchte mit minimalem Aufwand maximale Ergebnisse erzielen. Aus rein fiskalkonservativer Sicht ist die aktuelle Strategie der US-Regierung daher unsinnig.

Müssen wir uns Sorgen machen wegen der steigende Staatsverschuldung der USA?

Ja, unbedingt. Stellen Sie sich vor, wir müssten weitere Billionen ausgeben, um ein weiteres Territorium aufzurüsten, anstatt unsere Waffensysteme, unsere Lieferketten und unsere industrielle Basis zu modernisieren. Also andere, effektivere und bessere Mittel, um unseren Gegnern Paroli bieten zu können.

Die Schweiz erlebte einen Schock durch die von Trump verhängten hohen Zölle. Diese wurden vor allem wegen eines Besuchs von Schweizer Geschäftsleuten reduziert, man schenkte Trump dabei einen Goldbarren und eine Rolex. Wie beurteilen Sie das?

Lassen Sie mich es so formulieren. Ich bin in einem Wohnwagenpark unter sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Ich kann mir vorstellen, dass das Bild, das wir als Land heute vermitteln, manchmal sehr weit von unseren Wurzeln entfernt ist: ein Land, das eine Revolution durchgestanden hat, ein Land, das sich durch harte Arbeit eine beständige Demokratie aufgebaut hat, die dieses Jahr ihr 250-jähriges Bestehen feiert. Ich denke, die Welt bewundert die Vereinigten Staaten dafür, dass sie eine demokratische Weltordnung geschaffen haben. Die Welt bewundert, dass wir uns damals gegen das imperialistische Grossbritannien behauptet haben, dass wir die die Unabhängigkeit erlangt haben und dass wir uns von Grund auf emporgearbeitet haben. Genau dieses Bild möchte ich dem Rest der Welt und anderen Nationen vermitteln, die darum kämpfen, frei zu sein und die Freiheiten zu geniessen, die wir in den Vereinigten Staaten haben.

Wie ist Ihr Eindruck von der Schweiz?

Oh, ich liebe dieses Land. Ich möchte mit meiner Familie wiederkommen. Meine Enkelkinder werden es lieben. Es ist ein wunderschönes Land und sehr gastfreundlich.

Was wissen Sie von der Schweizer Wirtschaft?

Wir sind in North Carolina ein Bankenzentrum, also ein Zentrum für Finanzdienstleistungen. Daher kenne ich mich mit den Geschäftsabläufen in der Schweiz sehr gut aus. Die Leute leisten hervorragende Arbeit.

Der Republikaner Thom Tillis (65) vertritt seit 2015 den Bundesstaat North Carolina im US-Senat. In Finanzfragen kritisiert er Donald Trump immer wieder. So widersetzte er sich Donald Trumps Haushaltsentwurf. Er kritisierte auch die Kürzungen beim Sozialprogramm Medicaid.

Daniel Hügli
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