Die Verbraucherpreise stiegen im April um 3,8 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Wert von 3,7 Prozent gerechnet. Der Ende Februar ausgebrochene Konflikt in Nahost hatte die Teuerungsrate im März bereits auf 3,3 Prozent katapultiert. Der Krieg hat die Ölpreise in die Höhe getrieben – eine Entwicklung, die sich unmittelbar in gestiegenen Preisen für Benzin, Diesel und Kerosin niederschlug.
«Der Druck in der Inflationspipeline bleibt stark. Läuft es ungünstig, springt die Inflationsrate noch über 4,0 Prozent», meint Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. An eine Rückkehr der Inflationsraten nahe 2,0 Prozent sei für dieses Jahr nicht zu denken. Angesichts der aufwärtsgerichteten Inflationsrisiken werde der designierte Notenbank-Chef Kevin Warsh die Zinssenkungswünsche von US-Präsident Donald Trump wohl enttäuschen, so der Experte.
Warsh steht kurz vor seiner Amtseinführung als Nachfolger von Jerome Powells an der Spitze der Federal Reserve. Erste Hürden im Bestätigungsverfahren im Senat hat er bereits genommen. «Der neue Vorsitzende der Fed hat es mit einer ungünstigen Entwicklung der Inflation zu tun», meint Commerzbank-Experte Christoph Balz. Zwar scheine der eine Sondereffekt - die Auswirkungen der Trump'schen Zollerhöhungen - im Schwinden begriffen. Dafür sorge der starke Anstieg der Ölpreise für einen weiteren Teuerungsschub.
Eine Zinssenkung sei allenfalls gegen Jahresende realistisch. Die unabhängige Fed beliess den Leitzins zuletzt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent, auch wenn Trump immer wieder auf Senkungen dringt. Unlängst sagte der US-Präsident, er wäre enttäuscht, wenn Warsh die Zinsen nicht gleich nach seinem Amtsantritt senken würde.
Doch im für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss gab es jüngst bereits Uneinigkeit: Drei Währungshüter waren nicht mit dem Ausblick auf künftige Zinsanpassungen einverstanden. Sie lesen den Ausblick als ein Signal in Richtung etwaiger Zinssenkungen, das sie vor dem Hintergrund der kräftigen Teuerung für nicht mehr angebracht halten.
Auch die Kerninflation, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, legte im April zu - und zwar auf 2,8 Prozent, nach 2,6 Prozent im März. Diese Teuerungsrate bildet den zugrunde liegenden Inflationstrend gut ab und wird daher von der Fed besonders stark beachtet. Die kräftig angefachte Inflation bildet auch ein politisches Risiko für den US-Präsidenten und seine Republikanische Partei im Vorfeld der Zwischenwahlen im November. Trump gelang 2024 die Wiederwahl massgeblich dank seines Versprechens, die Inflation einzudämmen; doch die Stimmung der Bürger hinsichtlich seines wirtschaftspolitischen Kurses hat sich eingetrübt, und viele machen ihn für die hohen Kraftstoffpreise verantwortlich.
Die gestiegene Inflation habe also nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Komponente, erläutert Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank: «Die Republikaner könnten bei den Zwischenwahlen des Kongresses unter Umständen die Mehrheit in beiden Kammern verlieren.»
(Reuters)

