Angesichts der weiterhin stark erhöhten Inflation zeigen sich die US-Verbraucher weniger ausgabefreudig. Der private Konsum legte im Juni nur um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, wie ‌das ⁠Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten damit gerechnet. Im Mai hatte es noch ein ⁠Plus bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher von aufwärts revidiert 0,9 Prozent gegeben. Der private Konsum gilt als Triebfeder ‌der US-Wirtschaft, die durch die Belastungen des Iran-Krieges im Frühjahr etwas gebremst ‌wurde: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte laut vorläufigen Daten auf ​das Jahr hochgerechnet im Zeitraum von April bis Juni um 1,5 Prozent zu und damit nicht mehr so schnell wie zu Jahresbeginn. Damals wurde ein Zuwachs von 2,1 Prozent erzielt.

«Gegenüber dem Vorquartal ist es eine Verlangsamung. Der Konsum legte indes um 2,2 Prozent zu und damit etwas dynamischer als ‌erwartet», erläuterte Helaba-Experte Ulrich Wortberg. Zudem lasse der Arbeitsmarkt keine Schwäche erkennen. Konjunktursorgen seien daher nicht angebracht. «Unterm Strich bleibt die US-Wirtschaft auf Kurs, doch ein restriktiverer Zinskurs in den kommenden Monaten könnte den Konsum ​und die Investitionsdynamik dämpfen», gibt KfW-Experte Stephan Bales zu bedenken.

Naht Zinserhöhung?

Die US-Zentralbank ​Federal Reserve, die Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern soll, strebt ​bei der Teuerungsrate einen Wert von 2,0 Prozent an. Sie hat dabei besonders den sogenannten PCE-Index im Blick - ein Inflationsmass, das ‌auf die Konsumgewohnheiten der Verbraucher zugeschnitten ist. Die daraus berechnete Teuerungsrate ging im Juni auf 3,7 Prozent zurück, nach 4,1 Prozent im Mai. Sie ist damit jedoch weiterhin meilenweit vom Fed-Ziel entfernt. Mit ​dem Wiederaufflammen ​des Iran-Krieges sind die Ölpreise mittlerweile wieder gestiegen, ⁠was für ein erneutes Anziehen der Inflation sorgen könnte.

Die Fed ​beliess am Mittwoch auf der ⁠zweiten Sitzung unter Leitung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh den Leitzins in der Spanne von 3,50 ‌bis 3,75 Prozent. Warsh bekräftigte, man werde für Preisstabilität sorgen: «Die Fed kümmert sich um die Sache.» An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass sie bald den Leitzins anhebt. «In ‌der September-Sitzung wird klarer sein, wie stark der Ölpreisanstieg auf die ​Inflation in den USA durchschlägt. Aller Voraussicht nach wird dies deutlich erkennbar sein und zu einer Zinserhöhung führen», sagt Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust.

(Reuters)