Zwei US-Regierungsmaschinen ‌mit US-Vizepräsident ⁠JD Vance sowie den Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner landeten auf einem Militärflughafen, wo sie vom pakistanischen Aussenminister Ishak Dar und Armeechef Asim Munir empfangen wurden. Die Vertreter des Irans ⁠waren schon am Freitag angekommen.

Der Krieg hat sich im Nahen Osten ausgeweitet, Tausende Menschen das Leben gekostet, Millionen vertrieben und wirkt sich erheblich auf die Ölpreise und damit die Weltwirtschaft aus. Ob es tatsächlich zu den ‌Gesprächen kommt und diese zu einem raschen Erfolg führen, ist offen. Denn der Iran knüpfte den Beginn der Verhandlungen an Zusagen ‌für eine Waffenruhe auch für den Libanon und für die Aufhebung von Sanktionen.

Die am ​Mittwoch vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe in dem seit 28. Februar dauernden Krieg der USA und Israels gegen den Iran umfasst nach Darstellung Israels und der USA nicht den Libanon. Dort greift das israelische Militär seit dem 2. März massiv an und nimmt nach eigener Darstellung Ziele der mit dem Iran verbündeten Hisbollah ins Visier.

Die iranische Delegation unter Führung von Parlamentspräsident Mohammed Baker Kalibaf und Aussenminister Abbas Araghtschi war am Freitag in Islamabad eingetroffen. Kalibaf erklärte auf der Plattform X, die US-Regierung habe zuvor der Freigabe iranischer Vermögenswerte und einer Waffenruhe ‌auch im Libanon zugestimmt. Die Gespräche würden nicht beginnen, bevor diese Zusagen erfüllt seien.

Das US-Präsidialamt äusserte sich zunächst nicht zu den iranischen Forderungen. Präsident Donald Trump schrieb jedoch in den sozialen Medien, der einzige Grund, warum die Iraner noch am Leben seien, sei, um zu verhandeln. «Die Iraner scheinen nicht zu begreifen, dass sie keine Karten haben, ausser einer kurzfristigen Erpressung der Welt ​durch die Nutzung internationaler Wasserstrassen.» Vance sagte auf dem Weg nach Pakistan, er erwarte ein positives Ergebnis. «Wenn sie versuchen, mit uns zu spielen, ​werden sie feststellen, dass das Verhandlungsteam dafür nicht sehr empfänglich ist.»

Ein zentraler Streitpunkt ist der Krieg im Libanon, ​wo bei israelischen Angriffen seit Anfang März fast 2000 Menschen getötet und rund eine Million vertrieben wurden. Die USA und Israel betrachten diesen Konflikt als unabhängig von einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Die Führung ‌in Teheran besteht dagegen darauf, dass er Teil davon ist. Die Kämpfe im Südlibanon, wo das israelische Militär mit Bodentruppen präsent ist und das Gebiet bis zum Fluss Litani als «Pufferzone» ansieht, waren auch am Freitag weitergegangen.

Auf der iranischen Agenda stehen weitreichende Forderungen: das Ende der Sanktionen, die Anerkennung der Autorität des Irans über die Strasse von Hormus - der für Öl- und Gaslieferungen überaus wichtigen ​Schifffahrtsstrasse vor ​seiner Küste - sowie Kriegsentschädigungen. Der neue Oberste Führer des Irans, Ajatollah Modschtaba Chamenei, hatte am Donnerstag ⁠erklärt, sein Land werde die «kriminellen Aggressoren» zur Rechenschaft ziehen.

Obwohl Trump bereits den Sieg für sich beansprucht, hat der Krieg ​viele der zu Beginn genannten US-Ziele nicht ⁠erreicht. So verfügt der Iran weiterhin über Raketen und Drohnen sowie über mehr als 400 Kilogramm hochangereichertes Uran. Auch die Führung in Teheran ist weiterhin an der Macht.

In Islamabad herrschten ‌vor den Gesprächen beispiellose Sicherheitsvorkehrungen mit Tausenden Soldaten auf den Strassen. Pakistanische Regierungsvertreter hatten im Vorfeld getrennte Vorgespräche mit Vertretern beider Seiten geführt. Einem pakistanischen Regierungsinsider zufolge umfasste das US-Team rund 100 Personen, das iranische 70. Ein dem Prozess nahestehender Insider sagte, die Gespräche stünden nicht unter Zeitdruck. «Sie haben die Anweisung, eine Einigung zu ‌erzielen oder abzureisen.»

Es sind die ranghöchsten Gespräche zwischen den USA und dem Iran seit der Islamischen Revolution von 1979 und die ersten offiziellen ​direkten Verhandlungen zwischen beiden Seiten seit 2015. Damals war das internationale Atomabkommen geschlossen worden, das die Entwicklung einer Atombombe durch den Iran verhindern sollte. Die USA stiegen jedoch 2018 während Trumps erster Amtszeit aus dem Abkommen aus, und der Iran sah sich nicht mehr an seine Auflagen gebunden. Ebenfalls 2018 untersagte der damalige Oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, weitere direkte Gespräche zwischen seinem Land und ‌den USA. Er wurde zu Beginn des Krieges ​bei einem Angriff auf Teheran getötet.

(Reuters)