Geht es nach der US-Investmentbank Goldman Sachs, dürfte sich der Franken zum Euro weiter aufwerten - trotz verbaler Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Devisenstrategen empfehlen, den Euro gegenüber dem Schweizer Franken leer zu verkaufen, da dies «eine der besten Absicherungen gegen Inflationsrisiken durch einen stärkeren oder länger anhaltenden Ölpreisschock» sei. 

«Der Franken ist einzigartig gut gegen steigende Inflation positioniert, da die SNB strukturell restriktiv ist und im Gegensatz zu den meisten anderen G10-Zentralbanken eine Inflation von unter 2 Prozent anstrebt», schrieben Stuart Jenkins, Isabella Rosenberg, Terersa Alves und Kollegen von Goldman Sachs Mitte der Woche in einer Analyse.

Die Strategen stellten fest, dass das Währungspaar seit Beginn des Krieges im Iran ein ähnliches, wenn auch weniger volatiles Muster aufweist als nach dem Beginn des umfassenden Einmarsches Russlands in die Ukraine im Jahr 2022. «Wenn die Energiepreise und die Wachstumsrisiken im Euroraum hoch bleiben, gehen wir davon aus, dass der Abwärtstrend des Euro zum Franken anhalten und in diesem Umfeld einen nützlichen Inflationsschutz bieten wird, primär in Optionsformaten», halten die Experten von Goldman Sachs fest.

Die Währungsstrategen von ING Bank sehen den Euro ebenfalls in einer schwachen Position. Europäische Unternehmen mit Dollar-Forderungen begrüssen zwar den stärkeren Dollar, doch für die grosse Mehrheit der europäischen Unternehmen sind die höheren Dollar-Zahlungen für Energiekosten schmerzhaft. Sprich, ein schwacher Euro zum Dollar dürfte die europäische Einheitswährung auch zum Franken drücken. 

Dollar-Optimismus verfrüht

Der Dollar zum Franken ist dagegen laut Goldman Sachs kein effektiver Schutz vor steigenden Ölpreisen. Das Währungspaar eignet sich weniger gut als Absicherung «angesichts seines weniger klaren Risiko-Beta und der relativen Widerstandsfähigkeit des Dollars gegenüber höheren Ölpreisen.»

Ob der Dollar, welcher sich zum Franken leicht aufgewertet hat, nachhaltig höher steigen kann, bezweifeln auf der anderen Seite die Ökonomen von Bloomberg. Der Franken werde sich nach einem schwachen Monatsbeginn erholen, da die Schweizerische Nationalbank nächste Woche bei ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung möglicherweise einen restriktiven Ton anschlagen wird, so die Argumentation bei Bloomberg. 

Der Franken hat in diesem Monat bisher 2,5 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Das ist etwas mehr, als der Dollar-Index zugelegt hat. Diese nahezu 1:1-Korrelation ist ungewöhnlich für den Franken, der eine unterschätzte Beta-Funktion gegenüber breiteren Marktbewegungen aufweist. Daher sei es möglich, dass die hiesigen Währungshüter den Franken zum Dollar absichtlich nach unten gelenkt haben. Schliesslich notierte der Dollar zum Franken erst vor wenigen Wochen auf einem historisch seltenen Niveau von 0,76.

Als Nettoenergieimporteur könne sich die Schweizer Wirtschaft den inflationären Auswirkungen des Iran-Krieges nicht entziehen, obwohl sie einen Grossteil ihres Energiebedarfs ausserhalb des Nahen Ostens deckt. Das bedeute, dass sich die SNB in den kommenden Monaten weniger Sorgen um die Aussicht auf Negativinflation machen muss als vor dem Krieg. Andererseits habe die SNB in ​​einem Land, das sehr inflationssensibel ist, auch wenig Toleranz für einen unkontrollierten Preisanstieg, so die Experten von Bloomberg weiter. 

Folglich könnte die SNB die Zinsen genauso schnell wieder anheben, wie sie sie gesenkt hatte. Tatsächlich überraschte die Zentralbank den Markt im Juni 2022 mit einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte, als kaum jemand mit einer Erhöhung gerechnet hatte. Die Zentralbank tagt nächste Woche und wird, wie die meisten anderen Notenbanken, ihre Inflationsprognosen voraussichtlich revidieren. Entscheidend für die Marktreaktion wird jedoch der Ton ihrer Kommentare sein.

(Bloomberg/cash)