Der lange Haushaltsstreit in den ‌USA hat ⁠das Wirtschaftswachstum vor der Jahreswende weit stärker gebremst als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Oktober bis Dezember auf das ⁠Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent zu, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten ein mehr als doppelt ‌so grosses Plus von 3,0 Prozent vorhergesagt.

Im Vorquartal hatte es noch zu einem Wachstum ‌von 4,4 Prozent gereicht. Da im Herbst wegen des Haushaltsstreits ​die Regierungsgeschäfte für 43 Tage weitgehend ruhten, wurde die Konjunktur gehemmt. Dieser sogenannte Shutdown dürfte laut der US-Notenbank Fed schätzungsweise einen Prozentpunkt Wachstum gekostet haben.

US-Präsident Donald Trump hatte schon vor Bekanntgabe der Ergebnisse in den sozialen Medien geschrieben, dass der teilweise Regierungsstillstand mindestens zwei Prozentpunkte an Wachstum gekostet habe. Zudem forderte er die Fed einmal mehr zu Zinssenkungen auf. Laut Commerzbank-Ökonom Christoph ‌Balz wird er bei den Währungshütern mit dieser Forderung wohl auf Granit beissen: «Die Fed dürfte sich durch die unerwartet schwache Wachstumszahl im vierten Quartal wohl nicht zu rascherem Handeln drängen lassen.» Händler rechnen nicht vor Juni mit einem weiteren Lockerungsschritt.

Die weltgrösste Volkswirtschaft ​wuchs 2025 insgesamt um 2,2 Prozent. Im Zeitraum 2024 - dem Jahr vor dem Präsidentenwechsel von Joe ​Biden auf Trump - hatte es noch zu einem Plus von 2,8 Prozent ​gereicht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat im Januar seine Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft für 2026 von 2,1 auf 2,4 Prozent angehoben.

Amerikaner weiter ausgabefreudig

KfW-Experte Stephan Bales ‌sieht in dem BIP-Plus im vorigen Jahr ein solides Wachstum, das angesichts der hohen politischen Unsicherheit und dynamischer Kurswechsel bemerkenswert sei. Ein wichtiger Treiber seien die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz, die sich 2025 weitgehend unbeeindruckt von den wirtschaftspolitischen Turbulenzen zeigten. Parallel dazu stützte ​der private ​Konsum trotz gedämpfter Stimmung das Wachstum: «Entscheidend für den weiteren Verlauf ⁠wird sein, dass die eingetrübte Zuversicht der Haushalte nicht stärker auf das Ausgabeverhalten ​durchschlägt.»

Im Dezember zeigten sich ⁠die Amerikaner trotz gestiegener Lebenshaltungskosten weiter ausgabefreudig. Sie steigerten ihren Konsum um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte. Der ‌private Konsum gilt als Schwungrad der US-Wirtschaft. Die US-Zentralbank, die Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern soll, strebt bei der Teuerungsrate einen Wert von 2,0 Prozent an.

Sie bezieht sich dabei auf ein Inflationsmass, das auf ‌die Konsumgewohnheiten der Verbraucher zugeschnitten ist - den sogenannten PCE-Index. Er legte im Dezember zum Vorjahresmonat um ​2,9 Prozent zu, wie das Handelsministerium bekanntgab. Experten hatten mit einem Wert von 2,8 Prozent gerechnet. Die US-Notenbank hat ihren Leitzins zuletzt nach drei Senkungsschritten in Folge in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gehalten.