Die USA haben am Dienstag nach Angriffen auf drei Tanker in der Strasse von Hormus eine neue Welle von Luftangriffen gegen den Iran gestartet und dem Land eine wichtige Lizenz zum Verkauf von Öl entzogen. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) teilte mit, es habe mehr als 80 Ziele angegriffen, um die Fähigkeit des Iran zu schwächen, die kommerzielle Schifffahrt anzugreifen. Unter den Zielen seien mehr als 60 kleine Boote der Islamischen Revolutionsgarden gewesen. Die Angriffe seien eine Reaktion auf die «ungerechtfertigte Aggression durch iranische Kräfte», die eine «klare und gefährliche Verletzung des Waffenstillstands» darstelle.
Das iranische Militär verurteilte die US-Angriffe als «eklatanten Akt der Aggression» und drohte mit einer «vernichtenden Antwort». Iranische Medien berichteten am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) über Explosionen auf der wichtigen Öl-Insel Charg, der Insel Keschm sowie in den südlichen Hafenstädten Sirik und Bandar Abbas. Es habe keine zivilen Todesopfer gegeben, jedoch seien mehrere Menschen in Sirik durch Splitter verletzt worden. Dort und in Bandar Abbas seien zudem Fischerboote in Brand geraten. Ein US-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Angriffe hätten iranischen Luftabwehrsystemen, Küstenüberwachungsanlagen und Raketenstellungen gegolten.
Die Vorfälle stellen eine erhebliche Eskalation dar und gefährden den brüchigen Waffenstillstand, den beide Länder im Vormonat geschlossen hatten. Als schwere Belastung für das Abkommen gilt die Entscheidung Washingtons, eine zentrale Zugeständnis zurückzuziehen. Die US-Regierung widerrief eine Lizenz, die dem Iran den Verkauf von Rohöl auf internationalen Märkten erlaubt hatte. Teheran hat nun bis zum 17. Juli Zeit, alle Transaktionen abzuwickeln. Das iranische Aussenministerium verurteilte den Schritt als Bruch der Vereinbarung. An den Märkten stieg der Ölpreis nach der Ankündigung um mehr als drei Prozent.
Auslöser der US-Reaktion waren Angriffe auf drei Handelsschiffe. Katar machte den Iran für die Attacken verantwortlich und bestellte den stellvertretenden iranischen Botschafter ein. Eines der getroffenen Schiffe war der katarische Flüssiggastanker «Al Rekayyat», auf dem nach einem Drohnentreffer ein Feuer ausbrach. Zudem wurde vor der Küste des Oman ein unter saudischer Flagge fahrender Supertanker beschädigt. Das iranische Aussenministerium wies die Vorwürfe aus Katar als «befremdlich» zurück, erklärte jedoch, dass Handelsschiffe Risiken ausgesetzt seien, wenn sie keine mit dem Iran koordinierten Routen nutzten.
Die Eskalation passiert während in der im Iran Staatstrauer für den getöteten Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei herrscht, der am ersten Tag des im Februar begonnenen Konflikts getötet worden war. Der iranische Präsident Massud Peseschkian, der für die Trauerfeierlichkeiten im Irak war, reiste nach den US-Angriffen vorzeitig ab. Der 60-tägige Waffenstillstand sollte eigentlich Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen ermöglichen. Diese waren jedoch in der vergangenen Woche ohne Fortschritte beendet worden. US-Präsident Donald Trump hatte am Montag erneut mit einer militärischen Eskalation gedroht.

