USA - Profitieren diese Schweizer Firmen von Trumps Infrastrukturprogramm?

US-Präsident Donald Trump will noch vor Ende Januar über sein milliardenschweres Infrastrukturpaket informieren. Drei Schweizer Unternehmen haben dabei unterschiedliche Erfolgsaussichten.
08.12.2017 09:37
Von Lorenz Burkhalter
Historisches Gebäude beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon ZH.
Historisches Gebäude beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon ZH.
Bild: cash

Als der Republikaner Donald Trump vor gut einem Jahr zum 45. US-Präsidenten gewählt wurde, versprach er Grosses. Neben umfassenden Steuersenkungen stellte der ehemalige Immobilienmogul noch für die ersten 100 Tagen seiner Amtszeit ein mit 1000 Milliarden Dollar dotiertes Infrastrukturpaket in Aussicht. Daraus wurde nichts.

Umso grösser war die Überraschung, als Trumpam Donnerstag seine Agenda für 2018 vorlegte. Dieser lässt sich entnehmen, dass das Infrastrukturpaket noch vor der State-of-the-Union-Rede von Ende Januar aufgegleist werden soll. Als Folge davon entbrannte in den letzten zwei Handelsstunden an der Börse in New York eine Jagd nach den möglichen Gewinnern.

Auch am Schweizer Aktienmarkt gibt es Unternehmen, welche vom Investitionsvorhaben profitieren könnten. Aus dem 30 Namen starken Swiss Leaders Index (SLI) gelten die beiden Baustoffproduzenten Sika und LafargeHolcim sowie der Industriekonzern ABB mit seiner Stromsparte als führende Infrastrukturanbieter.

Doch Vorsicht: Bereits während des Wahlkampfes liess Trump keine Zweifel offen, dass die Aufträge vor allem an US-Anbieter gehen werden. Dementsprechend unterschiedlich sind die Erfolgsaussichten der drei grossen Infrastrukturanbieter aus der Schweiz:

LafargeHolcim

Der Weltmarktführer unter den Zementherstellern bringt es in den USA auf einen Marktanteil von 20 Prozent. Analysten zufolge erwirtschaftet das Unternehmen dort mit 10 Prozent des Jahresumsatzes und rund 8 Prozent des operativen Gewinns (EBITDA).

Als einer der wichtigsten Rivalen gilt Vulcan Materials. In der Vergangenheit wurde LafargeHolcim auch schon ein Interesse am US-Baumaterialhersteller nachgesagt. Von der Aussicht auf milliardenschwere Grossaufträge ging die Aktie von Vulcan Materials am Donnerstag in New York mehr als 3 Prozent höher aus dem Handel.

Neue Impulse würden auch der Aktie von LafargeHolcim gut tun, hat diese doch alleine seit Mitte September mehr als 10 Prozent auf zuletzt 52,50 Franken eingebüsst. Die Zwischenbilanz seit Jahresbeginn fällt damit negativ aus. Da Zement ein schwerer und billiger Baustoff ist, lohnt sich ein Landtransport über grössere Strecken kaum. Das könnte für LafargeHolcim zum Nachteil werden.

Urteil: Aktie kann eine Wette auf das US-Infrastrukturpaket sein, muss aber nicht.

Sika

Der Baustoffhersteller aus Baar erzielte in den ersten neun Monaten 17 Prozent des Umsatzes in Nordamerika. Gemäss firmeneigenen Angaben wuchs dabei das Geschäftsvolumen in den USA mit knapp 20 Prozent, was unter anderem auf die Integration der übernommenen Rmax zurückzuführen ist.

Zwölf-Monats-Vergleich der Aktien von LafargeHolcim (rot), Sika (grün) und ABB (violett) (Quelle: www.cash.ch)

Anders als LafargeHolcim steht Sika in den USA in Konkurrenz mit zahlreichen kleineren Rivalen. Die Produktbereiche des Unternehmens gelten noch immer als stark fragmentiert. Auch ohne zusätzliche US-Infrastrukturaufträge dürfte Sika die Arbeit nicht ausgehen. Das verrät auch ein Blick auf die Aktienkursentwicklung. Mit einem Kursplus von 55 Prozent  auf zuletzt 7560 Franken zählt die Sika-Aktie seit Jahresbeginn zu den Gewinnern im SLI.

Urteil: Aktie ist bereits gut gelaufen, Unternehmen wächst auch ohne zusätzliche Impulse kräftig.

ABB

Zum Gewinner der geplanten Infrastrukturinvestitionen könnte ABB aufsteigen. Der Industriekonzern erwirtschaftet rund einen Viertel des Jahresumsatzes mit Stromübertragungsinfrastruktur. Noch bis vor wenigen Jahren galt dieser Geschäftszweig als ein Sorgenkind. Seither hellt sich die Auftragslage jedoch auf und die in der Vergangenheit eingeleiteten Sparmassnahmen beginnen zu greifen.

Da das US-Stromnetz als marode gilt, dürfte ein nicht unbeträchtlicher Teil des Infrastrukturpakets in dessen Erneuerung fliessen. Dank der starken Marktstellung und der Erfahrung beim Bau intelligenter Stromnetze, sogenannter Smart-Grids, gibt es um ABB aus amerikanischer Sicht kein Herumkommen. Obwohl die ABB-Aktie mit 25,53 Franken etwas von den Mehrjahreshöchstkursen zurückgefallen ist, errechnet sich seit Jahresbeginn noch immer ein Plus von fast 20 Prozent.

Urteil: Aktie ist eine aussichtsreiche Wette auf das US-Infrastrukturpaket.