US-Präsident Donald Trump gab am Montag auf seiner Plattform Truth Social deutliche Zollsenkungen mit sofortiger Wirkung bekannt. Im Gegenzug werde Indien Öl nicht mehr aus Russland beziehen, sondern verstärkt aus den USA und möglicherweise auch aus Venezuela, wo die US-Ölbranche ebenfalls aktiv ist. Der indische Ministerpräsident Narendra Modi ​begrüsste die Einigung auf der Plattform X. Trump habe ihm in einem Telefonat eine Senkung ‌der US-Zölle auf indische Waren auf 18 Prozent zugesagt.

An den US-Börsen legten ‌Aktien grosser indischer Unternehmen zu. Papiere des IT-Beratungshauses Infosys gewannen 3,5 Prozent und die der Beratungsfirma Wipro sieben Prozent. Die Aktien der HDFC Bank legten um 3,4 Prozent zu und der börsengehandelte Fonds iShares MSCI India zog um 3,3 Prozent an.

Trump zufolge senken die USA ihre Zölle auf indische Waren von bisher insgesamt 50 auf 18 Prozent. Ein Vertreter des Weissen Hauses präzisierte, dass ein Strafzoll von 25 ⁠Prozent komplett entfalle. Dieser war wegen der indischen Käufe von russischem Öl verhängt worden. Ein weiterer, allgemeiner Zollsatz werde zudem von 25 auf 18 Prozent gesenkt. Modi habe sich zudem verpflichtet, US-Produkte aus den Bereichen Energie, Technologie und Landwirtschaft sowie weitere Waren im Wert von mehr als 500 Milliarden ​Dollar zu kaufen, fügte Trump hinzu. Indien werde zudem seine Zölle und nichttarifären Handelshemmnisse gegenüber den USA abbauen.

«Ich ‌freue mich, dass für in Indien hergestellte Produkte nun ein reduzierter Zoll von ‍18 Prozent gelten wird», schrieb Modi auf der Online-Plattform X. Der indische Handelsminister Piyush Goyal erklärte, die Vereinbarung werde die beiden Volkswirtschaften enger zusammenführen und beispiellose Möglichkeiten für indische Unternehmen ​schaffen.

Im vergangenen August hatte Trump die Zölle auf 50 Prozent verdoppelt, um Indien zu einem Stopp der russischen Ölkäufe zu bewegen. Die indischen Märkte waren daraufhin stark unter Druck geraten und hatten sich 2025 zum schwächsten Schwellenland-Markt entwickelt. Die Ökonomin Madhavi Arora vom Analysehaus Emkay Global sagte, die ‌Vereinbarung bringe Indien bei den Zollsätzen weitgehend auf eine Linie mit anderen asiatischen ⁠Staaten.

Indien ist der drittgrösste Ölimporteur der Welt und deckt rund 90 Prozent seines Bedarfs ‌durch Einfuhren. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 hatte das Land seine Importkosten durch den Kauf von russischem Öl gesenkt, dessen Preis aufgrund westlicher Sanktionen gefallen ist. ‍Zuletzt hatte Indien seine Käufe aus Russland jedoch bereits gedrosselt. Einem Reuters-Bericht zufolge sanken sie von 1,2 Millionen Barrel pro Tag im Januar auf voraussichtlich eine Million im Februar.

Die Möglichkeit, Öl aus Venezuela zu beziehen, hatte Trump am Wochenende ​ins Spiel gebracht. Anfang Januar hatten US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro bei einem Militäreinsatz gefangen genommen.

Ende ‍Januar hatten sich die Europäische Union und Indien auf ein weitreichendes Handelsabkommen geeinigt, das Zölle auf fast alle Waren abschafft. Der Pakt werde die EU-Exporte nach Indien bis 2032 voraussichtlich verdoppeln, teilten beide Seiten mit. Europäische Unternehmen könnten dadurch Zölle in Höhe von vier Milliarden Euro einsparen.

(Reuters)