Als wahrscheinlichster Ort für das Treffen gelte Genf, sagte ein westlicher Insider am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei es, den Text bis Samstag fertigzustellen. US-Vizepräsident JD Vance und der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sollen demnach die Vereinbarung unterschreiben. US-Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag, er habe neue Angriffe auf den Iran abgesagt, da die Vereinbarung nun stehe. Der Entwurf scheint weitgehend die Forderungen Teherans zu erfüllen. Im Gegenzug für die Öffnung der vom Iran blockierten Strasse von Hormus sollen Sanktionen gegen iranische Ölexporte aufgehoben und eingefrorene Gelder in Milliardenhöhe freigegeben werden. Zudem beharre der Iran auf einer Einstellung der Kämpfe im Libanon, wo Israel gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz vorgeht.
Was der Iran darüber hinaus zu leisten bereit ist, blieb zunächst unklar. Die halbstaatliche iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete, die USA und ihre Verbündeten müssten sich zu einem Truppenabzug aus der Region verpflichten und Pläne für den Wiederaufbau des Irans im Wert von mindestens 300 Milliarden Dollar vorlegen. Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sollen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Trump sprach am Donnerstag im Weissen Haus von einer «grossartigen Einigung» und erklärte, der oberste geistliche Führer des Irans, Ajatollah Modschtaba Chamenei, habe dem Abkommen zugestimmt. Die Aussicht auf ein Ende der Kämpfe liess die Ölpreise am Freitag um mehr als zwei Prozent sinken, während die Aktienmärkte weltweit zulegten.
Der Krieg hatte am 28. Februar mit US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran begonnen. In der Folge schloss Teheran faktisch die Strasse von Hormus, was die Energiepreise in die Höhe trieb. Die hohen Benzinpreise haben sich vor den US-Kongresswahlen im November zu einem innenpolitischen Problem für Trump entwickelt.
Trotz der diplomatischen Fortschritte blieben die Spannungen in der Region hoch. US-Streitkräfte schossen am Donnerstag nach Angaben eines Regierungsvertreters zwei iranische Drohnen ab, nachdem Teheran versucht hatte, Handelsschiffe in der Meerenge anzugreifen. Für Israel, das an den Verhandlungen nicht beteiligt ist, dürfte ein Ende der Kämpfe im Libanon schwer zu akzeptieren sein. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, Israel sei in keinster Weise an einer Vereinbarung beteiligt.
(Reuters)

