Die militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich drastisch verschärft. ‌Nach schweren ⁠gegenseitigen Raketen- und Drohnenangriffen erklärte die Regierung in Teheran, die strategisch wichtige Strasse von Hormus erneut gesperrt zu ⁠haben. Dies trieb die Ölpreise in die Höhe. Die iranischen Revolutionsgarden teilten am Montag mit, sie hätten als Reaktion auf jüngste US-Angriffe amerikanische ‌Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait ins Visier genommen, Radarsysteme in Oman zerstört sowie ‌Treibstoff- und Munitionsdepots auf dem Stützpunkt Prinz Hassan in Jordanien ​beschossen.

Das US-Militär erklärte hingegen, die Schifffahrt durch die Meerenge laufe weiter. Bei Einsätzen am Sonntag seien iranische Luftabwehrsysteme, Küstenradarstationen, Raketen- und Drohnenstellungen sowie kleine Boote unter anderem von Flugzeugen und Kriegsschiffen aus angegriffen worden. Das US-Zentralkommando hatte zudem am Samstag mitgeteilt, binnen drei Nächten mehr als 300 iranische Ziele attackiert zu haben, um die militärische Schlagkraft des ‌Iran zu schwächen. Die Revolutionsgarden erklärten ihrerseits, am Wochenende auch ein Wartungszentrum für Kampfjets in Katar sowie amerikanische Logistikstützpunkte in Oman beschädigt zu haben.

«Ära einseitiger Abkommen vorbei»

Die erneute Gewalt stellt das im vergangenen Monat geschlossene Übergangsabkommen zwischen Washington ​und Teheran infrage, das die Strasse von Hormus eigentlich wieder öffnen und den Krieg beenden ​sollte, den die USA und Israel am 28. Februar gegen den ​Iran begonnen hatten. US-Präsident Donald Trump zeigte sich in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntagnachmittag dennoch siegessicher. «Wir setzen ihnen schwer zu», ‌sagte Trump mit Blick auf die Angriffe gegen den Iran.

Vergangene Woche hatte Trump den Waffenstillstand für beendet erklärt, sich jedoch offen für weitere Gespräche gezeigt. Der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb am Sonntag auf der Plattform X: «Die Ära ​einseitiger Abkommen ​ist vorbei. Wir haben euch gesagt: Haltet euer ⁠Wort oder zahlt den Preis. Die Realität holt euch ein.» Der Iran versucht ​seit Längerem, eine dauerhafte ⁠Gebührenpflicht für die Passage der Strasse von Hormus durchzusetzen, über die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Öls ‌und Flüssiggases transportiert wurde.

Die neu geschaffene iranische Behörde für die Meerenge erklärte am Sonntag, die Durchfahrt sei wegen «illegaler Aktivitäten» des US-Militärs derzeit nicht möglich. Die USA betonten hingegen, ihre Streitkräfte sicherten die ‌Freiheit der Schifffahrt. US-Vertretern zufolge wurden in den vergangenen 24 Stunden rund 20 Schiffe ​durch die Meerenge eskortiert. Der Preis für die Rohölsorte Brent stieg am Montag um 4,3 Prozent auf 79,31 Dollar je Barrel. Höhere Treibstoffpreise gelten vor den Kongresswahlen in den USA im November als politisch hochgradig brisant für Trump. 

(Reuters)