Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran droht eine massive Ausweitung mit drastischen Folgen für die weltweite Energieversorgung. Mit dem anhaltenden gegenseitigen Beschuss ist die vereinbarte Waffenruhe faktisch beendet. Gleichzeitig wies die Regierung in Teheran Insidern zufolge die verbündete Huthi-Miliz im Jemen an, sich auf eine Sperrung des Seewegs für Öltransporte im Roten Meer vorzubereiten. Dies solle für den Fall geschehen, dass die USA die iranische Energieinfrastruktur angriffen, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Parallel dazu weckt die Freilassung einer US-Bürgerin durch den Iran Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung zur Abwendung eines offenen Krieges.
Die Pläne für eine Sperrung des Seewegs im Roten Meer wurden in der Führung der Islamischen Republik diskutiert und an die verbündeten Huthis übermittelt, wie es aus iranischen und regionalen Kreisen hiess. Eine Stellungnahme des iranischen Aussenministeriums oder der Huthis lag zunächst nicht vor. Einem Insider aus dem Umfeld der jemenitischen Miliz zufolge haben die Rebellen ihre Vorbereitungen für Angriffe auf die Schifffahrt abgeschlossen. Sie hätten Raketen und Drohnen nahe der Meerenge Bab al-Mandab stationiert und warteten auf weitere Befehle. Die Entscheidung über eine Sperrung der Meerenge liege bei Vertretern der iranischen Revolutionsgarde (IRGC), die sich im Jemen aufhielten.
Ein solcher Schritt würde die weltweite Energieversorgung massiv bedrohen, da die wichtigste Route durch die Strasse von Hormus schon vom Iran gesperrt ist. Der Konflikt in der Region war am 28. Februar eskaliert, als Israel und die USA den Iran angriffen. Daraufhin sperrte die Regierung in Teheran die Strasse von Hormus, über die zuvor rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs transportiert wurde. Im Zuge eines Rahmenabkommens für eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran war sie zeitweise wieder offen. Mit den neuen US-Angriffen blockierte der Iran den Seeweg aber wieder. Ein Grossteil des Öls aus den Golfstaaten wird deswegen über eine saudi-arabische Pipeline zum Weitertransport per Schiff zum Roten Meer umgeleitet. Über diesen Seeweg werden derzeit rund sieben Prozent der weltweiten Energieversorgung abgewickelt.
«Geste des guten Willens»
Sollten die Huthis Schiffe oder Häfen im Roten Meer angreifen, wären die beiden wichtigsten Öl-Exportrouten des Nahen Ostens gleichzeitig blockiert. Einem der Insider zufolge will die Führung in Teheran den Druck auf Washington erhöhen, indem sie die potenziellen Kosten für die Weltwirtschaft in die Höhe treibt. Die USA werfen dem Iran vor, die Huthis als Stellvertretermiliz zu nutzen und mit Waffen, Geld und militärischer Ausbildung zu unterstützen, was Teheran jedoch bestreitet.
Die Gefechte zwischen den USA und dem Iran erreichten am Mittwoch einen neuen Höhepunkt. Die USA flogen erstmals seit dem Rahmenabkommen im Vormonat zwei grosse Luftangriffswellen an einem Tag, vor allem auf Ziele an der südiranischen Küste. Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Militärstützpunkte in Ländern der Region, auch mit schwerem Beschuss eines Stützpunkts in Jordanien.
Inmitten der Angriffe bezeichnete US-Präsident Donald Trump die Freilassung der US-Bürgerin Dena Karari am Mittwoch als «Geste des guten Willens». Der Menschenrechtsanwalt Jared Genser erklärte, die 53-Jährige befinde sich in Sicherheit und reise zurück in die USA. Ihr war im Dezember 2024 bei einem Verwandtenbesuch im Iran der Reisepass entzogen worden. Sie wurde in der Folge zwar nicht inhaftiert, jedoch mehrfach von den Behörden verhört. Eine offizielle Stellungnahme des Irans zu dem Fall lag zunächst nicht vor.
Luftangriffe sollen weitere Operationen vorbreiten
Die erneuten Kämpfe brachten den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus fast vollständig zum Erliegen. Die Energiepreise stiegen daraufhin, blieben jedoch unter ihren Höchstständen aus der vorherigen Kriegsphase. Der Iran hatte die jüngste Eskalation in der vergangenen Woche durch Angriffe auf Schiffe in der Meerenge ausgelöst, darunter durch einen Drohnenangriff auf einen katarischen Flüssiggastanker. Insidern zufolge will die Führung in Teheran damit ihre Kontrolle über die Strasse von Hormus demonstrieren, strebe jedoch keine Ausweitung des Konflikts an, die das Abkommen vom Juni gefährden könnte. Trump erklärte die Waffenruhe hingegen für beendet und der Iran die Meerenge für gesperrt. Die USA reagierten am Mittwoch mit einer erneuten Blockade iranischer Häfen. Eine vom Iran geforderte Kontrolle über die Strasse von Hormus lehnt Trump ab.
Drei US-Regierungsvertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Luftangriffe dienten zudem als Vorbereitung, um iranische Militärkapazitäten zu schwächen. Dies solle Trump für den Fall einer weiteren Eskalation mehr Handlungsspielraum verschaffen. Trump schliesst den Einsatz von Bodentruppen und die Besetzung der Insel Charg, auf der sich das wichtigste iranische Ölexportterminal befindet, nicht aus. Zudem drohte er mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken im Iran, sollte Teheran Verhandlungen verweigern.
Der iranische Militärsprecher Brigadegeneral Mohammad Akraminia wies die US-Strategie zurück. Die USA glaubten, durch Angriffe auf Küstenstützpunkte die Kontrolle über die strategische Meerenge erlangen zu können, erklärte er am Donnerstag. Der Iran könne die Strasse von Hormus jedoch von jedem Punkt seines Territoriums aus kontrollieren. Sollte Trump seine Drohungen wahrmachen, werde der Iran die verbleibende Infrastruktur in der Region angreifen. Die iranische Armee warnte zudem die Nachbarstaaten vor einer Unterstützung der USA.
(Reuters)

