Die Regierung in Teheran prüfe einen neuen US-Vorschlag, hiess es am Mittwoch aus dem Iran. Auf dem Tisch liege der Entwurf für ein Memorandum, das den Krieg formell beenden solle, sagten mit den Verhandlungen vertraute Personen. Heikle Themen wie das iranische Atomprogramm würden dabei zunächst auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Ein Sprecher des iranischen Aussenministeriums erklärte der Nachrichtenagentur Isna zufolge, Teheran werde seine Antwort auf den eine Seite umfassenden Vorschlag bald über Pakistan übermitteln. Das Land hatte die bislang einzigen Friedensgespräche ausgerichtet und dient seitdem als Hauptkanal für Botschaften zwischen den Konfliktparteien.
Ein Insider aus Pakistan und eine weitere mit der Vermittlung vertraute Person bestätigten einen Bericht des US-Nachrichtenportals Axios über ein 14-Punkte-Memorandum. «Wir werden das sehr bald abschliessen. Wir sind nah dran», sagte der pakistanische Insider. US-Präsident Donald Trump nannte in einem Beitrag in den sozialen Medien am frühen Morgen keine Details, stellte aber ein Ende des Krieges in Aussicht. «Unter der Voraussetzung, dass der Iran sich an das Vereinbarte hält - was vielleicht eine gewagte Annahme ist -, wird die bereits legendäre Operation 'Epic Fury' beendet sein», schrieb Trump.
Dann wäre eine Öffnung der Strasse von Hormus für alle möglich, den Iran eingeschlossen, schrieb Trump weiter. Sollte Teheran nicht zustimmen, würden die Bombardierungen bedauerlicherweise mit einer viel höheren Intensität als zuvor beginnen. Der Zeitung «New York Post» sagte Trump später, für persönliche Treffen zur Unterzeichnung eines Abkommens sei es noch zu früh. Die israelische Regierung war nach Angaben aus Kreisen nicht darüber informiert, dass Trump möglicherweise kurz vor einem Abkommen mit dem Iran steht. Vielmehr bereite sich Israel auf eine Eskalation der Kämpfe vor, hiess es weiter.
Die Verhandlungen auf US-Seite werden den Insidern zufolge von Trumps Gesandtem Steve Witkoff und seinem Schwiegersohn Jared Kushner geführt. Sollten sich beide Seiten auf das vorläufige Abkommen einigen, würde eine 30-tägige Frist für detaillierte Verhandlungen beginnen. Ziel sei es, die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus wieder zu ermöglichen, US-Sanktionen aufzuheben, eingefrorene iranische Gelder freizugeben und das iranische Atomprogramm einzuschränken. Dabei gehe es um eine Pause oder ein Moratorium bei der Urananreicherung.
Zwar verlangt das Memorandum den Insidern zufolge zunächst von keiner Seite Zugeständnisse, es lässt jedoch zentrale US-Forderungen unerwähnt, die der Iran in der Vergangenheit abgelehnt hatte. Dazu gehörten Einschränkungen des iranischen Raketenprogramms und ein Ende der Unterstützung für verbündete Milizen im Nahen Osten. Auch der bestehende iranische Bestand von mehr als 400 Kilogramm fast waffenfähigem Uran, dessen Aufgabe Washington zuvor als Bedingung für ein Kriegsende gefordert hatte, werde nicht erwähnt.
Es gibt Anzeichen dafür, dass Teheran auf weitere Zugeständnisse der USA dringen könnte. Der iranische Parlamentarier Ebrahim Resaei, Vorsitzender des Ausschusses für Aussenpolitik und nationale Sicherheit, bezeichnete den Text von Axios auf der Plattform X als «eher eine amerikanische Wunschliste als die Realität». Die USA würden in einem Krieg, den sie verlören, nichts erreichen, was sie nicht schon in direkten Verhandlungen erreicht hätten. Aussenminister Abbas Araghtschi ging bei einem Besuch in China nicht auf Trumps Äusserungen ein, betonte jedoch, Teheran bestehe auf einem «fairen und umfassenden Abkommen». Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, falls die «Bedrohungen» der USA endeten, sei eine Durchfahrt durch die Strasse von Hormus unter neuen, vom Iran festgelegten Bedingungen möglich.
Trump hatte wenige Stunden zuvor einen erst zwei Tage alten Marineeinsatz zur Wiedereröffnung der blockierten Meerenge ausgesetzt und dies mit grossen Fortschritten bei den Friedensgesprächen begründet. Die Mission «Project Freedom» hatte nicht zu einer nennenswerten Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs geführt, sondern eine neue Welle iranischer Angriffe auf Schiffe und Ziele in Nachbarländern, insbesondere den Vereinigten Arabischen Emiraten, provoziert. So meldete eine französische Reederei am Mittwoch, dass eines ihrer Containerschiffe am Vortag in der Meerenge getroffen und verletzte Besatzungsmitglieder evakuiert worden seien.
Die Aussicht auf ein Ende der Kämpfe liess die Ölpreise am Mittwoch einbrechen. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um rund elf Prozent auf etwa 98 Dollar je Barrel (159 Liter). Die weltweiten Aktienkurse stiegen, während die Anleiherenditen sanken.
(Reuters)

