US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag einem zweiwöchigen Waffenstillstand mit dem Iran zugestimmt und damit eine Eskalation des seit Wochen andauernden Konflikts vorerst abgewendet. Die Einigung kam weniger als zwei Stunden vor Ablauf eines von ihm gesetzten Ultimatums zustande, wie Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social mitteilte. Bedingung für die Waffenruhe ist demnach, dass der Iran seine Blockade der Strasse von Hormus aufhebt. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif, der bei der Vereinbarung vermittelt hatte, lud Delegationen beider Länder für Freitag zu einem Treffen nach Islamabad ein.
Trump erklärte, die militärischen Ziele seien bereits erreicht worden, und man sei auf dem Weg zu einem langfristigen Friedensabkommen. «Dies wird ein zweiseitiger WAFFENSTILLSTAND sein!», schrieb er. Der Nationale Sicherheitsrat des Iran stellte die Einigung hingegen als Sieg dar und erklärte, Trump habe die iranischen Bedingungen für ein Ende der Feindseligkeiten akzeptiert. Zuvor hatte ein hochrangiger iranischer Insider der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, Teheran lehne eine vorübergehende Feuerpause ab und fordere für einen dauerhaften Frieden unter anderem Entschädigungen sowie Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen durch die Strasse von Hormus. Die Sprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, wies dies zurück. «Die Wahrheit ist, dass Präsident Trump und unser starkes Militär den Iran dazu gebracht haben, der Wiedereröffnung der Strasse von Hormus zuzustimmen», sagte sie.
Dem Weissen Haus zufolge hat auch Israel dem Waffenstillstand zugestimmt und seine Bombenangriffe auf den Iran ausgesetzt. Es war jedoch zunächst unklar, wann genau die Waffenruhe vollständig in Kraft treten würde. Mehr als eine Stunde nach Trumps Ankündigung meldete das israelische Militär den Abschuss von Raketen aus dem Iran. In Tel Aviv waren Explosionen von abgefangenen Geschossen zu hören. Auch Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate lösten Luftalarm aus. Die Finanzmärkte reagierten erleichtert auf die Nachricht. Die US-Aktienfutures stiegen, während die Ölpreise deutlich nachgaben. Zuvor hatte jedoch Weltbank-Präsident Ajay Banga gewarnt, der Krieg werde das globale Wirtschaftswachstum bremsen und die Inflation anheizen. Die US-Energiebehörde EIA schätzte zudem, dass die Kraftstoffpreise selbst nach einer Wiedereröffnung der Meerenge noch monatelang hoch bleiben könnten.
Die Ankündigung Trumps zeigt eine abrupte Kehrtwende in einem hochgradig eskalierten Konflikt. Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hatte die Lage als schwerwiegender als die Ölkrisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen bezeichnet. Noch am selben Tag hatte Trump mit der aussergewöhnlichen Warnung für Aufsehen gesorgt, «eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben», sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden. Die iranischen Revolutionsgarden hatten mit einer Ausweitung der Angriffe gedroht, während China und Russland im UN-Sicherheitsrat eine Resolution zum Schutz der Schifffahrt blockierten. In dem seit sechs Wochen andauernden Krieg sind nach Zählungen von Regierungsquellen und Menschenrechtsgruppen mehr als 5000 Menschen ums Leben gekommen, darunter über 1600 Zivilisten im Iran. In den USA, wo die Kampagnen für die Zwischenwahlen anlaufen, sind Trumps Zustimmungswerte auf einem Tiefstand. Umfragen zufolge lehnt eine grosse Mehrheit der Amerikaner den Krieg ab und ist frustriert über die steigenden Benzinpreise.

