Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran eskaliert mit gegenseitigen Angriffen weiter und schürt Sorgen um die Schifffahrt im Persischen Golf und die Wasserversorgung in der Region. US-Raketen hätten in der Nacht zum Montag mehrere iranische Städte getroffen, meldeten iranische Staatsmedien, während die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) mitteilten, US-Militärziele im Nahen Osten angegriffen zu haben. Trotz der zunehmenden Gewalt signalisierten beide Seiten, dass sie eine Rückkehr zur Diplomatie nicht ausschliessen würden.
Die iranischen Revolutionsgarden teilten zudem mit, zwei Öltanker seien nach dem Versuch, die Strasse von Hormus auf einer «unsicheren» Route zu durchqueren, «explodiert» und bewegungsunfähig. Ob es sich um einen neuen Vorfall handelt, war zunächst unklar. Die britische Marine-Handelsorganisation (UKMTO) berichtete separat, ein Schiff sei vor der Küste des Oman von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Der Ölpreis stieg daraufhin kurzzeitig auf über 90 Dollar pro Fass.
Dem US-Zentralkommando zufolge zielten die Angriffe in der neunten Nacht in Folge darauf ab, die Fähigkeit des Irans zu schwächen, Handelsschiffe anzugreifen. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete, es habe Explosionen in den Städten Tabris, Tschahbahar, Konarak, Bandar Mahschahr und Bandar Imam Chomeini gegeben. Ein Mensch sei getötet und mehrere weitere verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten mit ballistischen Raketen US-Flugzeuge am jordanischen Flughafen Akaba sowie Militäranlagen in Kuwait und Stellungen in Syrien ins Visier genommen. Die kuwaitische Armee teilte mit, sie habe bei einem iranischen Angriff feindliche Drohnen abgefangen.
Der Konflikt erfasste verstärkt zivile Infrastruktur. Die Regierung in Kuwait teilte mit, eine Entsalzungsanlage sei am Sonntag den zweiten Tag in Folge angegriffen worden. Entsalzungsanlagen sichern in vielen Golfstaaten die Trinkwasserversorgung für Millionen von Menschen. Der Iran, der die USA am Samstag beschuldigt hatte, eine seiner eigenen Anlagen getroffen zu haben, hatte wiederholt damit gedroht, als Vergeltung für US-Angriffe auf seine Energieinfrastruktur solche Anlagen in den Golfstaaten anzugreifen.
Angriffe als Vergeltung
US-Präsident Donald Trump verteidigte die jüngsten Angriffe als Vergeltung für den Tod von US-Soldaten. Die Schläge seien «zu Ehren der ... grossen Patrioten» ausgeführt worden, sagte Trump. Er bezog sich dabei auf bis zu drei US-Soldaten, die bei jüngsten iranischen Angriffen getötet worden waren. Innenpolitisch gerät Trump durch steigende Benzinpreise unter Druck. Der Preis in den USA überschritt am Montag die Marke von vier Dollar pro Gallone, was vor den Zwischenwahlen im November Wähler verärgern dürfte.
Trotz der Eskalation schlossen beide Seiten eine Rückkehr zur Diplomatie nicht aus. «Die Vereinigten Staaten bleiben immer offen für eine diplomatische Lösung», sagte US-Aussenminister Marco Rubio. Er betonte jedoch, die USA würden den Iran weiter ins Visier nehmen, solange dieser den internationalen Seeverkehr angreife. Auch das iranische Aussenministerium signalisierte Gesprächsbereitschaft. «Diplomatie ist ein Werkzeug, mit dem wir unsere nationalen Interessen verfolgen, genau wie der Krieg», sagte Sprecher Esmaeil Baghaei am Montag.
Der Krieg begann Ende Februar, als die USA und Israel den Iran angriffen. Ziel war es, die Atom- und Raketenprogramme Teherans zu zerschlagen und dessen regionale Verbündete zu schwächen. Seitdem wurden Tausende von Menschen getötet, die meisten im Iran und im Libanon.
(Reuters)

