Die USA treiben ihre Pläne für eine internationale Allianz gegen die chinesische Dominanz bei kritischen Rohstoffen voran und setzen dabei auf staatlich garantierte Mindestpreise. US-Vizepräsident JD Vance stellte das Konzept vergangene Woche Ministern aus mehr als 50 Ländern in Washington vor. Erklärtes Ziel der US-Initiative ist die Schaffung eines bevorzugten Handelsblocks, um die Abhängigkeit von China bei Materialien zu verringern, die für die High-Tech-Fertigung unverzichtbar sind. Zu den Teilnehmern des Critical Minerals Ministerial gehörte auch Deutschland.
Vance schlug vor, Referenzpreise für kritische Mineralien auf jeder Produktionsstufe festzulegen. Diese sollten den fairen Marktwert widerspiegeln und innerhalb der Allianz als Preisuntergrenze fungieren, die durch flexible Zölle abgesichert wird. «Wir wollen das Problem beseitigen, dass Leute unsere Märkte mit billigen kritischen Mineralien überschwemmen, um unsere heimischen Hersteller zu unterbieten», sagte Vance, ohne China dabei explizit zu nennen. Auch Aussenminister Marco Rubio sprach lediglich davon, dass die Mineralien «stark in den Händen eines einzigen Landes konzentriert» seien. Dies sei zu einem «geopolitischen Druckmittel» geworden. Rubio zufolge nahmen 55 Länder an den Gesprächen in Washington teil, darunter Südkorea, Indien, Japan, Australien und die Demokratische Republik Kongo.
Bei dem Treffen kündigte der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer eine trilaterale Vereinbarung mit der EU und Japan an sowie einen bilateralen Plan mit Mexiko. Damit sollen die Lieferketten für kritische Mineralien gestärkt und die Grundlage für ein breiteres Abkommen mit weiteren Verbündeten geschaffen werden. Die Partner wollen Massnahmen wie Preisstützungen, Marktstandards, Subventionen und Abnahmegarantien prüfen, um die Produktion anzukurbeln. Zudem erklärten die USA, die EU und Japan, das Thema auch in anderen Formaten wie der G7-Gruppe und der «Minerals Security Partnership» vorantreiben zu wollen.
Die Regierung in Peking zeigte sich zunächst zurückhaltend. China habe lange eine wichtige und konstruktive Rolle bei der Sicherung globaler Lieferketten gespielt und sei bereit, dies auch weiterhin zu tun, teilte die chinesische Botschaft in Washington der Nachrichtenagentur Reuters auf Anfrage mit.
Deutschland: USA sind «wichtiger Impulsgeber»
Hintergrund des Vorstosses ist die Sorge der USA und ihrer Verbündeten, dass China seine monopolartige Stellung bei der Verarbeitung vieler Mineralien als geopolitisches Druckmittel einsetzt. Peking hatte im vergangenen Jahr die Exportkontrollen für Seltene Erden verschärft, was zu Produktionsverzögerungen bei Autoherstellern in Europa und den USA führte. Zudem hat ein Überangebot an Lithium aus China Pläne zum Ausbau der US-Produktion ins Stocken gebracht. US-Präsident Donald Trump hatte bereits am Montag eine strategische Mineralienreserve namens «Project Vault» ins Leben gerufen, die mit Krediten in Höhe von zehn Milliarden Dollar unterlegt ist.
Die Bundesregierung begrüsste vorab grundsätzlich das US-Engagement. «Kritische Rohstoffe sind von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit Deutschlands», erklärte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Florian Hahn, vor seiner Abreise. Die Bundesregierung unterstütze die Wirtschaft bei der Sicherung und Diversifizierung ihrer Rohstoffversorgung. «Ein Baustein ist dabei die Verringerung deutscher und europäischer Abhängigkeiten und der aktive Aufbau neuer Kooperationen.» Die USA seien dabei «ein wichtiger Impulsgeber».
Die Seltenen Erden sind eine Gruppe von 17 chemischen Elementen. Entgegen ihrem Namen kommen sie weltweit relativ häufig vor, sind jedoch oft nur schwer und unter hohem Aufwand zu gewinnen. Sie sind unverzichtbar für zahlreiche High-Tech-Anwendungen. So werden sie etwa für die Herstellung leistungsstarker Magnete für E-Motoren benötigt, die leichter und effizienter sind als herkömmliche Antriebe. Für die USA, wo Trump auf fossile Energien setzt, ist dies zwar von geringerer Bedeutung. Allerdings spielen sie auch in der Rüstungsindustrie eine Schlüsselrolle, etwa bei Lenkraketen und Radarsystemen.
(Reuters)

