630 Prozent in zwölf Monaten: Das ist die Kursbilanz des US-Brennstoffzellenherstellers Bloom Energy. Seit Januar liegt das Plus bei satten 70 Prozent. Eingesetzt hat die Rallye im August 2025, als die Aktie erstmals das vorherige Rekordhoch von 42,36 Dollar überschritten hatte. Mittlerweile kostet der Titel 168,89 Dollar.

Die Fantasie um die Hype-Aktie rührt von ihrem innovativen Produkt im KI-getriebenen Umfeld her. Die enorme Energiemenge, die moderne Rechen- und Datencenter benötigen, verlangt zunehmend nach Vor-Ort-Lösungen, die unabhängig vom Stromnetz betrieben werden können.

«Rechenzentren, die den derzeit beispiellosen Strombedarf verursachen, können innerhalb von 18 Monaten gebaut werden. Der Bau neuer Hochspannungsleitungen kann jedoch aufgrund langwieriger Genehmigungsverfahren, Verhandlungen über Landrechte und Bauverzögerungen bis zu fünf bis sieben Jahre dauern, was zu Zeitplankonflikten mit Abweichungen von bis zu vier Jahren führen kann», erklärt die britische Bank Barclays in einer Analyse.

Hier schafft Bloom Energy Abhilfe. Das Flaggschiffprodukt, der Bloom Energy Server, ist ein Kasten in der Grösse zweier Kühlschränke mit mehreren Hochtemperatur-Brennstoffzellen zur Vor-Ort-Stromversorgung. Er wandelt Brennstoffe mittels eines elektrochemischen Prozesses ohne Verbrennung direkt in Strom um. 

Das Produkt überzeugt insbesondere durch sinkende Kosten, die Fähigkeit, Grundlaststrom zu liefern, eine Installationsdauer von nur wenigen Wochen sowie eine schnelle Markteinführung, wie Barclays betont. Gemäss unternehmenseigenen Angaben führt die Technologie zu einer Effizienzsteigerung von sieben bis zehn Prozent. Die Investitionskosten werden um rund 35 Prozent gesenkt, die Gesamtkosten um etwa 15 Prozent reduziert. Zudem bietet Bloom Energy auch Wasserstofflösungen an und ist damit für die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Energielösungen gerüstet.

Der Konzern aus Kalifornien arbeitet mit zahlreichen Fortune-500-Unternehmen zusammen – darunter Betreiber von Rechenzentren, Halbleiterhersteller, Energieversorger sowie Kunden aus dem gewerblichen und industriellen Bereich. Die Analysten um Christine Cho betonen: «Bloom Energy hat in den letzten zwei Jahren eine Reihe hochkarätiger Verträge für Rechenzentren abgeschlossen und sich damit als bevorzugter Partner für unternehmenskritische Vor-Ort-Stromversorgung etabliert.» Zu diesen Kunden zählen unter anderem Oracle, Intel, American Electric Power (AEP) und Brookfield Asset Management. Weltweit sind inzwischen über 1'200 Brennstoffzellen installiert.

Utopische Bewertung und Wachstumsperspektiven

Trotz des starken operativen Rückenwinds mehren sich die skeptischen Stimmen zur Bewertung. Zwar sehen die optimistischsten Analysten den fairen Wert bei bis zu 207 Dollar, doch der Konsens ist deutlich vorsichtiger. Das durchschnittliche Kursziel von 117 Dollar impliziert ein Abwärtspotenzial von rund 30 Prozent.

Auch die Bewertung der Aktie wirkt ambitioniert: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 1508 erscheint der Titel derzeit stark überzogen. In anderen Worten: Anleger zahlen den 1508-fachen Jahresgewinn pro Aktie – theoretisch würde es über 1.500 Jahre dauern, bis der heutige Kurs «verdient» ist. Ein solcher Wert hat nur noch wenig mit einer klassischen fundamentalen Bewertung zu tun und ist vielmehr eine Wette auf massiv steigende Gewinne in der Zukunft. Zum Vergleich: Nvidia etwa kommt aktuell auf ein KGV von 40,3.

Von einem Verkauf raten die meisten Experten nach wie vor ab. Bloomberg zufolge liegen 14 Kaufempfehlungen vor, hinzu kommen zwölf Halten-Voten. Lediglich fünf Analysten raten zum Verkauf. Barclays etwa stuft die Aktie mit «Equal Weight» ein. Ein Grossteil des Wachstumspotenzials sei bereits im Aktienkurs eingepreist.

Dennoch: Solange der Ausbau von Rechenzentren anhält, bleibt der operative Rückenwind für Bloom Energy intakt. Zugleich betonen die Barclays-Analysten, es sei derzeit das einzige Brennstoffzellenunternehmen, das eine echte kommerzielle Grössenordnung im Bereich der stationären Energieversorgung erreicht habe. Zwar dürften mittelfristig weitere Marktteilnehmer hinzukommen, doch ernstzunehmender Wettbewerb scheint noch einige Jahre entfernt. 

Allerdings ist das KI-Thema an der Börse auch starken Schwankungen unterworfen. Jüngste Wachstumsenttäuschungen bei Microsoft haben dies eindrücklich gezeigt. Somit ist die klassische Wachstumsaktie eher für risikofreudige Anleger von Interesse. 

Volatilität um Zahlenpräsentation garantiert

Bloom Energy wird seine Finanzergebnisse für das vierte Quartal 2025 am morgigen Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichen. Bisher hat der Konzern die Gewinnerwartungen mehrfach übertroffen. Der Fokus der Investoren dürfte sowieso vielmehr auf der Umsetzung der KI-Partnerschaften sowie auf dem Ausblick für das Jahr 2026 liegen.

Die aktuellen Konsensschätzungen für das vierte Quartal 2025 belaufen sich auf einen Umsatz von 645,32 Millionen Dollar und ein Gewinn je Aktie von 0,30 Dollar. Für das Gesamtjahr erwarten Analysten einen Umsatz von rund 1,9 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 0,57 Dollar.

Unabhängig vom Ergebnis müssen sich Anleger auf erhöhte Volatilität einstellen. Wie aus Daten zum Optionshandel von Bloomberg hervorgeht, könnte die Aktie nach der Zahlenvorlage um rund 15 Prozent steigen oder fallen. In vier der letzten acht Quartalsberichte schwankte der Kurs sogar stärker, als es die Optionsmärkte im Vorfeld impliziert hatten.

Aisha Gutknecht arbeitet seit Juli 2024 als Redaktorin für cash.ch.
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