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Vegan-Trend - Beyond-Meat-Aktie: Noch etwas abwarten und dann zuschlagen?

Der Fleischersatz-Spezialist kommt an der Börse ordentlich unter die Räder. Einige prophezeien bereits dessen Ende. Doch ein genauerer Blick zeigt: Die Aktie hat Zukunft und könnte bald zur Gegenbewegung ansetzen.
05.11.2019 14:44
Von Henning Hölder
Ein Burger des Fleischersatz-Spezialisten Beyond Meat.
Ein Burger des Fleischersatz-Spezialisten Beyond Meat.
Bild: ZVG

Auf dem ersten Blick erscheint es schon merkwürdig: Da macht der Fleischersatzhersteller Beyond Meat nach zehn Jahren zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte Gewinn und wie danken es ihm die Anleger? Mit Kursstürzen. Rund 22 Prozent verlor die Aktie allein am Dienstag letzter Woche, nachdem Beyond Meat überraschend guten Quartalszahlen präsentiert hatte.

Doch der Kurssturz hat einen simplen Grund: Am selben Tag lief die Haltefrist der Erstzeichner aus, was offenbar zu Gewinnmitnahmen motivierte.

Kursentwicklung der Beyond-Meat-Aktie seit dem IPO Anfang Mai 2019, Quelle: cash.ch.

Der Aktienkurs von Beyond Meat durchlebt seit dem IPO Anfang Mai turbulente Zeiten. Bis Ende Juli wurde die Aktie mit einem Kursplus von über 800 Prozent in den Himmel gehypt. Doch dann der Einbruch: Seit seinem Höchststand verloren die Titel etwa zwei Drittel ihres Werts.

Dennoch: Der aktuelle Preis steht noch immer deutlich über dem Schlusskurs vom ersten Handelstag (+21 Prozent), ja sogar überdeutlich über dem Ausgabepreis (+215 Prozent).

Konkurrenz schläft nicht

Doch wie steht es um den Fleischersatz-Spezialisten? Der Erfolg von Beyond Meat sowie der Hype um das Unternehmen hat gleichzeitig einen grossen Nachteil für den Vegi-Burger-König mit sich gezogen: Die Konkurrenz ist wachgerüttelt.

Grosse Nahrungsmittelmultis wie Nestlé (Incredible Burger), Kraft (Boca Burger) oder Tyson Food haben dieses Jahr ebenfalls ihre Fleischersatz-Produkte auf den Markt geworfen. Und mit Kellogg wird bald ein weiterer grosser Player mit einer neuen Produktlinie nachziehen. Der steigende Konkurrenzdruck hinterlässt bereits Spuren bei Beyond Meat. Um konkurrenzfähig zu bleiben, mussten die Kalifornier ihr Werbebudget deutlich erhöhen sowie dem Handel Rabatte gewähren. Dass solch ein Schritt auf die Marge drückt und Aktionäre nicht zum Feiern bringt, ist logisch.  

Trotzdem spricht einiges dafür, dass es sich bei den massiven Kursrückgängen seit Ende Juli nicht um das Ende von Beyond-Meat handelt – wie es dieser Tage teilweise zu lesen war – sondern vielmehr um eine gesunde Korrektur eines übermässig hochgejubelten Trend-Unternehmens. Denn noch immer spricht vieles für die Fleischlos-Aktie.

Kursabsturz oder nötige Korrektur?

Erstens ist der fleischlose Trend nicht aufzuhalten – der Markt wächst und wächst. Noch immer meinen einige, Fleischersatz-Produkte sind primär für Vegetarier gedacht. Doch laut dem britischen Marktforschungsinstitut Kantar werden auf der Insel über 90 Prozent der pflanzlichen "Fake"-Fleisch-Alternativen von sogenannten Flexitariern konsumiert, also Fleischessern, die aus Gewissensgründen ihren Fleischkonsum zügeln wollen.

Schaut man sich die Friday-for-Future-Generation an, liegt der Schluss nahe, dass sich der Trend eher noch verstärkt als abnimmt. Eine Barclays-Studie geht davon aus, dass sich in den kommenden zehn Jahren der Umsatz mit alternativen Fleischprodukten von heute 14 Milliarden Dollar auf 140 Milliarden verzehnfachen wird.

Zweitens hat Beyond Meat gegenüber den Nahrungsmittel-Multis einen entscheidenden Vorteil. Das Unternehmen kann sich voll und ganz dem Vegi-Trend verschreiben und ohne Rücksicht auf Verluste Vollgas geben. Grosse Multis hingegen haben eine jahrzehntealte Firmenkultur, in der interne Bremsklötze die Entwicklung aufhalten können. So ist nicht jeder im Konzern mit der neuen Richtung einverstanden, alte Lieferbeziehungen müssen berücksichtigt werden und es gibt ja auch noch andere Bereiche, die Ressourcen benötigen.

Wann kommt die Kurs-Gegenbewegung?

Drittens geben die neusten Geschäftszahlen schlicht Hoffnung. Der Umsatz konnte im letzten Quartal mit 92 Millionen Dollar um mehr als das dreifache gesteigert werden. Unterm Strich stand erstmals ein kleiner Gewinn von 4,1 Millionen zu Buche – mehr als Analysten erwartet hatten. Beyond Meat hat also den Break-Even überschritten und ist profitabel. Zudem wurde die Umsatzprognose kräftig nach oben geschraubt. Schon im nächsten Jahr soll der Umsatz nicht weniger als eine halbe Milliarde Dollar betragen. 

Die Voraussetzungen für Beyond Meat sich in einem wachsenden Markt zu behaupten stehen also nicht schlecht. Das Mehr der Analysten glaubt an die Titel und gibt Kaufempfehlungen heraus. Barclays hat letzte Woche gar sein Kursziel von 185 Dollar bekräftigt. Das wäre ein Plus zum aktuellen Kurs von rund 135 Prozent. Sollten Anleger daher jetzt einsteigen? Schliesslich hat Aktie in den letzten Monaten bereits massiv korrigiert. Die Antwort ist jein.

Noch etwas Geduld

Anleger sollten sich noch ein klein wenig gedulden, bis sich der Druck auf die Aktie komplett legt. Die Aktie ist an sich noch immer hoch bewertet, das lässt sich aus der stolzen Markkapitalisierung von knapp 5 Milliarden Dollar – bei einem erwarteten Gesamtjahresumsatz von 275 Millionen – ablesen. Zudem ist derzeit noch nicht abschätzbar, wann die negativen Auswirkungen vom Ende der Haltefrist auf den Aktienkurs abebben werden. Doch sobald der Druck nachlässt, ist die Aktie durchaus reif für eine Gegenbewegung.