Die Hoffnung auf eine politische Wende in Venezuela treibt die Börse in Caracas weiter voran. Der Leitindex legte zur Eröffnung am Mittwoch leicht zu, nachdem er am Vortag rund ‌50 ‌Prozent in die Höhe gesprungen war. Seit dem US-Militärschlag gegen Venezuela am Wochenende summiert sich das Plus auf rund 75 Prozent. Oppositionsführerin Maria Corina Machado hatte zuletzt ihre baldige Rückkehr angekündigt und die Massnahmen der US-Regierung gegen Präsident Nicolas ​Maduro gelobt. Ihr Lager sei bereit, eine freie Wahl zu gewinnen.

Die politischen ‌Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf den für das ‌Land entscheidenden Ölsektor. Die Ölpreise stabilisierten sich wieder, nachdem Aussagen von US-Präsident Donald Trump den Preis für US-Leichtöl WTI zunächst um mehr als zwei Prozent auf bis zu 55,76 Dollar je Barrel gedrückt hatten. Trump zufolge haben die USA ein Abkommen über den Import venezolanischen Rohöls im Wert von bis zu zwei ⁠Milliarden Dollar erzielt. Dieser Schritt würde die Versorgung des weltweit grössten Ölverbrauchers verbessern.

Das Abkommen zwischen Washington und Caracas könnte laut Insidern zunächst eine Umleitung von für China bestimmten Lieferungen erfordern. Venezuela verfügt über Millionen Barrel Öl, die ​auf Schiffen und in Tanks auf ihren Export warten. Die von Trump ‌Mitte Dezember verhängte Blockade verhinderte dies bislang. Sie war Teil einer ‍US-Kampagne gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro. Sie erreichte am Wochenende mit Maduros Festnahme durch US-Truppen ihren Höhepunkt.

Venezolanische Regierungsvertreter ​bezeichneten Maduros Festnahme als Entführung. Sie warfen den USA vor, die riesigen Ölreserven des Landes stehlen zu wollen. Venezuela werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel «sanktioniertes Öl» an die USA «übergeben», schrieb Trump zuletzt in einem Social-Media-Beitrag. Schiffsdaten ‌zufolge lieferten die wichtigsten Ölhäfen Venezuelas am Dienstag den fünften Tag ⁠in Folge kein Rohöl an Kunden des staatlichen Konzerns PDVSA in ‌Asien. Trump stellte in Aussicht, US-Ölkonzerne für den Wiederaufbau der Energieinfrastruktur des südamerikanischen Landes zu subventionieren.

«Die zunehmende US-Kontrolle über die venezolanischen Ölexporte bedeutet, ‍dass die derzeitigen Exportmärkte Venezuelas mittelfristig möglicherweise alternative Bezugsquellen finden müssen», sagte Peter Kinsella von der Union Bancaire Privée. «Dies ist besonders relevant für Kuba und in geringerem Masse auch ​für China.» Die jüngsten Unruhen in Venezuela seien jedoch eher eine geopolitische ‍Schlagzeile als ein wichtiges marktbewegendes Ereignis. Angesichts der geringen Wirtschaftskraft des Landes hätten die Aktienmärkte der lateinamerikanischen Nachbarn die Entwicklung bisher gelassen aufgenommen.

(Reuters)