Verhaltener Ausblick - AMS brechen bei Apple wohl tatsächlich Umsätze weg - Aktie reagiert anders als gedacht

AMS verfehlt die Gewinnerwartungen im vergangenen Quartal ziemlich deutlich. Auch der Ausblick weiss nicht zu überzeugen und heizt die Spekulationen um Umsatzverluste bei Apple weiter an.
04.05.2021 11:30
Von Lorenz Burkhalter
Alexander Everke ist seit März 2016 CEO von AMS.
Alexander Everke ist seit März 2016 CEO von AMS.
Bild: ZVG

Schon seit Anfang Dezember kursieren bei AMS Spekulationen, wonach der US-Grosskunde Apple künftig andere Zulieferer berücksichtigen wolle (cash berichtete). Und tatsächlich lässt der vorsichtige Ausblick des Sensorenspezialisten aus dem österreichischen Unterpremstätten für das laufende Quartal die Vermutung zu, dass die Amerikaner schon jetzt geringere Bestellmengen abrufen.

AMS macht es den Aktionären nicht gerade einfacher und gibt nur noch Vorgaben inklusive Osram Licht ab. Wie viel die eigenen Geschäftsaktivitäten zum Ergebnis beisteuern wird nicht mehr separat ausgewiesen. Das erschwert eine vernünftige Beurteilung. Fürs zweite Quartal strebt das Unternehmen nun eine bereinigte operative Marge (EBIT) von 7 bis 10 Prozent bei einem Umsatz zwischen 1,43 und 1,53 Milliarden Dollar an. Gerade von der Umsatzentwicklung hatten sich Analysten im Vorfeld mehr erhofft.

Anhaltspunkte für Verlust eines Sockelauftrags verdichten sich

Auch der Zahlenkranz für das zurückliegende erste Quartal weiss nicht zu überzeugen. Mit 172 Millionen Dollar liegt der operative Gewinn (EBIT) auf bereinigter Basis weit hinter den durchschnittlich erwarteten 233 Millionen Dollar zurück.

Die Bank Vontobel lobt die Umsatz- und Gewinnentwicklung der ersten drei Monate. Sie führt die vorsichtigen Vorgaben für das zweite Quartal auf die industrieweiten Probleme entlang der Lieferkette zurück. Von den Aussagen zum Consumergeschäft folgert die Zürcher Bank tatsächlich auf den Verlust eines wichtigen Auftrags beim Grosskunden Apple. Das verlorene Auftragsvolumen sei umfassender als gedacht, wie sie weiter schreibt. Dennoch erachtet sie den Auftragsverlust als eingepreist und hält mit einem Kursziel von 27,50 Franken an ihrer Kaufempfehlung für die Aktie fest.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) lobt die veröffentlichten Zahlen ebenfalls und hält fest, dass diese operativ betrachtet sowohl oberhalb der Erwartungen als auch am oberen Ende der separat abgegebenen Zielbandbreite für AMS alleinstehend liegen. Sie sieht darin die typischen saisonalen Gegebenheiten. Auch für die ZKB stehen die Aussagen zum Consumergeschäft im Vordergrund. Ihres Erachtens könnte der erwartete Marktanteilsverlust auf den vieldiskutierten Sockelverlust (WLO) bei Apple hindeuten. Die ZKB hält die Aktie für unterbewertet und preist sie deshalb mit "Übergewichten" zum Kauf an. Ein Verlust des Apple-Auftrags würde den fairen Wert des Bewertungsmodells von derzeit 29 auf 25 Franken schmälern.

AMS-Aktie eines der diesjährigen Börsenschlusslichter

Die britische Barclays hält die Markterwartungen an die zweite Jahreshälfte nun für zu hoch angesetzt und rechnet mit schmerzhaften Abwärtsrevisionen. Auch der geplanten Übernahme der restlichen Osram-Aktien zu 52,80 Euro je Stück gewinnt die Grossbank nicht viel positives ab. Sie stuft die Aktie wie bis anhin mit "Underweight" und einem Kursziel von 16 Franken ein.

Dennoch reagiert die Börse anders als zu denken wäre. Nach einem frühen Rücksetzer in die Nähe von 16 Franken setzt die AMS-Aktie zu einer Gegenbewegung an. Zur Stunde gewinnt sie gar 5,6 Prozent auf 16,89 Franken. Beobachter erklären sich dieses Kursfeuerwerk damit, dass schon seit Monaten auf einen Auftragsverlust spekuliert wurde und dieser Verlust damit bereits eingepreist war.

Mit einem Minus von knapp 15 Prozent wird der Aktie allerdings noch immer die undankbare Rolle des Schlusslichts unter den 30 Titeln aus dem Swiss Leaders Index (SLI) zuteil. Von den Jahreshöchstkursen von Mitte Februar bei knapp 25 Franken aus betrachtet hat der Sensorenhersteller sogar gut einen Drittel an Börsenwert verloren.