Versandapotheke - Experte: Kursdebakel bei der Aktie von Zur Rose nimmt übertriebenes Schreckens-Szenario vorweg

Nach dem Kursdebakel bei Zur Rose meldet sich der Analyst einer US-Investmentbank zu Wort. Er hält bei Kursen von 200 Franken selbst negativste Erwartungen für eingepreist. Sein Kursziel liegt deshalb deutlich höher.
11.01.2022 09:19
Von Lorenz Burkhalter
Die originale Apotheke Zur Rose in Steckborn TG.
Die originale Apotheke Zur Rose in Steckborn TG.
Bild: cash / mfo

Den erfolgsverwöhnten Aktionärinnen und Aktionäre der Versandapotheke Zur Rose bietet sich ein ungewohntes Bild: Der Kurs der Aktie fällt und fällt – und das nunmehr schon seit Wochen.

Zuletzt kostete eine Aktie noch 210 Franken. Das sind knapp 11 Prozent weniger als noch um den Jahreswechsel herum. Man muss die Zeit um fast 18 Monate zurückdrehen, um auf ähnlich tiefe Kurse zu stossen.

Bei Kursen um 200 Franken viel Negatives drin

Nachdem das deutsche Bundesgesundheitsministerium (BMG) die landesweite Einführung elektronischer Medikamentenrezepte überraschend abgesagt hat, sitzt der Schock tief.

Zuspruch erhält die Zur-Rose-Aktie nun aber vom Analysten der US-Investmentbank Jefferies. Er rät bei der Versandapotheke mit "Buy" und einem Kursziel von 515 Franken zum Einstieg. Seines Erachtens nimmt das momentane Kurs- und Bewertungsniveau der Aktie schon heute die wohl schlechtmöglichsten künftigen Entwicklungen vorweg. Auf Basis dieser errechnet der Experte einen fairen Kurs von 200 Franken, was nur unwesentlich unter den letztbezahlten Notierungen liegt.

In diesem Szenario geht der Jefferies-Analyst auf Jahre hinaus von einem Nullwachstum und nur leichten Margenverbesserungen aus.

Leerverkäufer dennoch fest im Sattel

Für den Experten steht fest: Die Frage ist nicht ob, sondern vielmehr wann elektronische Medikamentenrezepte zwingend in ganz Deutschland eingeführt werden. Er erhofft sich schon in den kommenden Wochen einen neuen Fahrplan für dieses Vorhaben und sieht darin einen wichtigen Kurstreiber für die Zur-Rose-Aktie.

Bis dahin dürften die Leerverkäufer vermutlich fest im Sattel sitzen. Zwar haben sie ihre Wetten gegen die Versandapotheke in der zweiten Dezember-Hälfte zumindest etwas zurückgefahren. Allerdings setzen sie noch immer mit fast 22 Prozent der ausstehenden Aktien auf rückläufige Kurse. In der Spitze waren es vor wenigen Wochen sogar mal fast 26 Prozent. Händlern zufolge steht bei Zur Rose rund ein Drittel der leerverkauften Titel im Zusammenhang mit sogenanntem "Delta-Hedging" gegenüber den in der Vergangenheit ausgegebenen Wandelanleihen.

Für Wasser auf die Mühlen sorgt am Dienstag die Rivalin Shop Apotheke. Diese setzte im vierten Quartal mit 288 Millionen Euro zwar 10 Prozent mehr um als im Schlussquartal des Vorjahres. Dennoch wurden die bei 297 Millionen Euro liegenden Analystenschätzungen verfehlt. Beobachter warnen aber vor voreiligen Rückschlüssen von Shop Apotheke auf Zur Rose, hatte Shop Apotheke in der zweiten Hälfte letzten Jahres doch mit firmenspezifischen Logistikproblemen zu kämpfen.