Vietnams Wirtschaft hat ihren rasanten Wachstumskurs im vergangenen Jahr trotz US-Strafzöllen beschleunigt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 8,02 Prozent, wie aus den am ‌Montag veröffentlichten ‌vorläufigen Regierungsdaten hervorgeht. 2024 hatte es zu einem Plus von 7,09 Prozent gereicht.

Ein Treiber waren die boomenden Exporte. Die Gesamtausfuhren stiegen 2025 um 17 Prozent auf rund 475 Milliarden ​Dollar. Davon entfielen allein 153 Milliarden Dollar auf Lieferungen ‌in die Vereinigten Staaten. Dies führte zu ‌einem Handelsüberschuss von fast 134 Milliarden Dollar mit den USA, was den bisherigen Höchststand deutlich übertrifft. Die von der Regierung von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle von 20 Prozent konnten diesen Trend nicht brechen.

Das starke Wachstum unterstreicht die zentrale Rolle Vietnams ⁠in den globalen Lieferketten. Internationale Konzerne wie Samsung, Apple und Nike lassen in dem Land Elektronik, Textilien und Schuhe herstellen. Dabei werden häufig Bauteile und Rohstoffe aus China verwendet, ​bevor die fertigen Produkte vor allem in die USA exportiert ‌werden. Diese Verflechtung zeigt sich auch in den ‍Rekordimporten aus China, die im vergangenen Jahr auf 186 Milliarden Dollar stiegen. Die US-Regierung hatte Vietnam ​wiederholt beschuldigt, als Drehscheibe für chinesische Waren zu dienen, um Zölle zu umgehen. Kriterien, was als illegale Umladung gilt, hat Washington jedoch bislang nicht festgelegt.

Getragen wurde das Wachstum ‌aber nicht nur von den Exporten. Auch der ⁠Binnenkonsum und höhere Staatsausgaben für die Infrastruktur stützten die ‌vietnamesische Konjunktur. Die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze legten 2025 jeweils um 9,2 Prozent zu. Für die Zukunft ‍hat sich die regierende Kommunistische Partei ehrgeizige Ziele gesetzt: Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 wird ein jährliches Wachstum von mindestens zehn Prozent ​angestrebt. Das bisherige Fünfjahresziel wurde mit einem durchschnittlichen Wachstum von ‍6,25 Prozent leicht verfehlt, was vor allem auf das von der Corona-Pandemie geprägte Jahr 2021 zurückzuführen war. 

(Reuters)