Trotz gestiegener Energiepreise im Zuge des Nahost-Krieges sieht der Notenbankchef Frankreichs die EZB nicht unter Zugzwang. «Es wäre ein Fehler, heute voreilig eine mögliche Zinsentwicklung vorherzusagen, und ich erinnere Sie daran, dass wir unsere Entscheidungen nicht allein auf Grundlage momentaner Energiepreise treffen», sagte das französische EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau am Dienstag vor Reportern. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft im Währungsraum gilt. Zu Jahresbeginn lag die Teuerungsrate mit 1,7 Prozent unter dieser Marke. Die EZB entscheidet am 19. März wieder über den Leitzins. Sie hat ihn angesichts gesunkener Inflationsgefahr von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten auf 2,0 Prozent halbiert und seither stillgehalten.
Ein längerer Krieg im Nahen Osten kann nach den Worten von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation in der Euro-Zone anheizen und die Wirtschaft ausbremsen. Der Iran hat die strategisch wichtige Strasse von Hormus für geschlossen erklärt. Die Meerenge ist das Nadelöhr des internationalen Ölhandels. Etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls werden durch die an ihrer engsten Stelle nur 33 Kilometer breite Wasserstrasse transportiert. Die Furcht vor einem längeren Ausfall der Lieferungen liess die Ölpreise zu Wochenbeginn in die Höhe schnellen.
(Reuters)

