Neben den Wirren um Fed-Präsident Jerome Powell rücken die US-Inflationszahlen (CPI) am Dienstag um 14.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit in den Brennpunkt des Interesses. Nach den wenig aussagekräftigen Zahlen im November wegen des Regierungsstillstands in Washington dürften die Werte für Dezember ein zuverlässigeres Bild abgeben.
Der Medianwert im Jahresvergleich für den Verbraucherpreisindex für den Monat Dezember 2025 dürfte gemäss den von Bloomberg befragten Ökonomen 2,7 Prozent betragen. Der Monatsanstieg wird auf plus 0,3 Prozent veranschlagt.
Sollten die Inflationszahlen wie erwartet ausfallen, dürfte das die Kursrallye an der Wall Street weiter befeuern. Fallen die Inflationszahlen besser als erwartet aus, könnte der S&P-500 Index gemäss den Derivatestrategen von JPMorgan bis zu 0,6 Prozent anziehen. Sollte der Wert indes höher ausfallen, dürfte der S&P 500 um etwa den gleichen Prozentsatz fallen.
Jegliche unerwünschte Überraschung nach oben bei den Verbraucherpreisindizes sowie den am Mittwoch anstehenden Erzeugerpreisindizes könnte zu einer deutlich erhöhten Volatilität bei Aktien, Zinsen und dem Dollar führen. Die Hoffnungen auf eine positive Überraschung könnten sich indes bewahrheiten, denn der Echtzeit-Inflationsindikator «Truflation» zeigt einen deutlichen Rückgang auf geschätzte 1,87 Prozent an.
Höherer Wert wegen Verzerrungen
Einzelne Ökonomen erwarten einen etwas stärkeren Anstieg über dem erwarteten Wert. So schreiben die Experten der Commerzbank, die Bedrohungen der Unabhängigkeit der US-Notenbank seien zwar real, doch die heutigen US-Verbraucherpreisdaten könnten die unmittelbaren Befürchtungen, die Fed könnte zu unangemessenen Zinssenkungen gezwungen sein, etwas abmildern. Auch wenn die Daten aufgrund der Haushaltssperre möglicherweise noch verzerrt sind, dürfte der deutliche Rückgang des Inflationsdrucks im Oktober und November nicht wiederkehren. Ferner weisen die Experten der Commerzbank darauf hin, dass die Verlangsamung des Mietmarktes zu einem wichtigen Abwärtsfaktor für die Kerninflation werden könnte.
Die Ökonomen der Deutschen Bank betonen mit Blick auf die Schwäche der Novemberdaten, dass insbesondere die Zahlen für die Unterbringung von Obdachlosen deutlich einbrachen, was eher auf eine Rezession hindeutet und daher Skepsis gegenüber den Daten hervorrief. Diesmal erwarten die US-Experten der Deutschen Bank einen stärkeren Index, der einige der Verzerrungen durch den Shutdown ausgleicht. Sie rechnen daher mit einem monatlichen Anstieg des CPI um 0,36 Prozent. Der Anstieg beim Kernindex dürfte mit 0,35 Prozent ähnlich hoch ausfallen. Die Schätzung liegt damit leicht über dem Konsens.
Francesco Pesole, Währungsstratege von ING Bank, sieht ebenfalls höhere Werte als erwartet mit einer Kerninflation im Dezember von 0,4 Prozent gegenüber der Schätzung von 0,3 Prozent. Damit habe der Dollar etwas Aufwärtspotenzial. Das Team der ING Bank begründet dies damit, dass aufgrund der Haushaltssperre im November 2025 mehr Daten erst später erhoben wurden – in einem Zeitraum, in dem Thanksgiving-bedingte Preisnachlässe an der Tagesordnung sind. Die Rückkehr zu einem üblicheren Erhebungszeitpunkt im Dezember berge entsprechend das Risiko einer höheren Inflationsrate.
(cash)
