«Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schliessen», sagte Blume der «Bild am Sonntag». Als gefährdet galten bisher die Werke in Zwickau und Emden, das Audi-Werk in Neckarsulm und das Nutzfahrzeug-Werk in Hannover. Jetzt verweist Blume aber darauf, dass Einsparungen an deutschen Produktionsstandorten bereits Wirkung zeigten: «Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt.» Das Unternehmen müsse aber weiter Kosten senken.
Der Konzernbetriebsrat kritisierte Blumes Äusserungen. Die Zitate in der Presse würden «keinerlei Klarheit bringen und so alles nur noch schlimmer machen», sagte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats am Sonntag den Sendern RTL und ntv. «Insbesondere für unsere mehr als 40.000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr auszuhalten.»
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verwies im ZDF-Sommerinterview wie zuvor die niedersächsische Landesregierung darauf, dass es Fehler im Unternehmen gegeben habe. Es habe «Fehler in der Modellpolitik in den zurückliegenden Jahren (gegeben), die jetzt aufgearbeitet werden müssen.» Steinmeier verwies darauf, dass dies Beunruhigung nicht nur an den VW-Standorten, «sondern auch weit darüber hinaus» auslöse.
Positiv äusserte sich Blume über die neue Elektroflotte des Konzerns: «Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50.000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft. Wir sind klarer Marktführer in Europa – bei Verbrennern und vollelektrischen Fahrzeugen.» Allerdings war der Absatz von Volkswagen im zweiten Quartal (April bis Juni) weiter zurückgegangen. Weltweit verkaufte der Konzern mit knapp 2,1 Millionen Fahrzeugen 8,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das lag vor allem an China, dem wichtigsten Absatzmarkt – dort brachen die Verkaufszahlen um 36,6 Prozent ein. Zuwächse gab es dagegen etwa in Nord- und Südamerika und auch in Europa. Sorgen bereitet dem VW-Chef die Weltlage: «Unser Umfeld war noch nie so anspruchsvoll und risikobehaftet wie heute. Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, Regulatorik, Marktumbrüche und intensive Konkurrenz», sagte er der Zeitung.
Blume hatte bereits angekündigt, die Produktionskapazität bis 2030 um eine Million auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu senken. Die Zahl der Modelle soll bis 2035 um die Hälfte reduziert werden, um kostengünstiger und effizienter produzieren zu können. Die Marken sollen sich weniger überlappen - Modelle von VW, Skoda und Seat etwa machen sich gegenseitig Konkurrenz.
In den Werken in Zwickau, Emden, Neckarsulm und Hannover arbeiten 40.000 Menschen. VW überlegt nach früheren Angaben, dort Rüstungsfirmen anzusiedeln oder eigene, in China entwickelte Modelle zu bauen. Zudem sollen bis 2030 insgesamt 5000 von weltweit 21.000 Management-Posten gestrichen werden. Wie viele der mehr als 650.000 Arbeitsplätze weltweit wegfallen könnten, hatte der Vorstand offen gelassen.
Der Aufsichtsrat hatte mit den Stimmen der Arbeitnehmervertreter und des Landes Niedersachsen am Donnerstag Werkschliessungen abgelehnt.
(Reuters)

