Nach wochenlangem Ringen hat sich der Aufsichtsrat einstimmig für ein Sanierungskonzept ausgesprochen, mit dem der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume die Rendite bis 2030 auf neun Prozent erhöhen will. Dabei fallen rund 50.000 Arbeitsplätze weg, die Zahl der Modelle wird zusammengestrichen und das Beteiligungsportfolio verschlankt. Blume sprach am Donnerstagabend von einem «starken Signal für die Zukunft des Volkswagen Konzerns». Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sagte, der Aufsichtsrat sei überzeugt davon, dass mit der Umsetzung des Sanierungsplans die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen gesichert werde.
«Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt»
Die Entscheidung des Aufsichtsrats zeige, dass auch bei tiefgreifenden Veränderungen gemeinsam getragene Lösung möglich seien, sagte Pötsch. «Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt», sagte Volkswagen-Grossaktionär Wolfgang Porsche. Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärte, der Zukunftsplan sei eine Notwendigkeit, um den Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gingen. Volkswagen wahre die Gleichrangigkeit von Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit als gemeinsame Unternehmensziele.
In einer gemeinsamen Erklärung sagten IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Cavallo, dass der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen nicht zielführend gewesen sei und zu Verunsicherung in der Belegschaft geführt habe. «Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist vom Tisch, der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen damit erfolgreich abgewehrt», betonten sie. Zudem werde kein Werk aufgegeben, eine Werksschliessung sei nicht besiegelt. «Vielmehr müssen jetzt für alle Standorte konkrete Lösungen erarbeitet werden - dabei sehen wir weiterhin ausdrücklich den Vorstand in der Pflicht.» Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies erklärte, hier sei auch die Politik am Zug. «Es braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine Handelspolitik, die unseren Industriestandort in einem zunehmend harten Wettbewerb stärkt.»
Konzept für Werke soll entwickelt werden
In dem Paket ist nach VW-Angaben festgehalten, dass bis Ende Juni 2027 ein Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt wird. Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen in Europa bestünden und für die Werke Emden, Zwickau, Neckarsulm und Hannover derzeit keine wettbewerbsfähige Folgebelegung ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden könne. «Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft», hiess es.
Einem Insider zufolge gingen dem Durchbruch intensive Verhandlungen voraus. Das Land Niedersachsen habe in den Gesprächen vermittelt. Am Mittwochabend habe der Vorstand zunächst über ein Sanierungspaket verhandelt, das mit Niedersachsen zusammen ausgehandelt worden sei. Anschliessend seien Benner und Cavallo dazugeholt worden, es sei bis zum Morgen verhandelt worden. Am Donnerstag habe zunächst das Präsidium des Aufsichtsrats getagt, Pötsch habe schliesslich die eigentlich für Freitag geplante Aufsichtsratssitzung vorgezogen. In der Sache sei der Sanierungsplan sehr nah an dem, was der Vorstand gefordert habe, sagte der Insider. Im Vorfeld hatten mit der Sache vertraute Personen darauf verwiesen, dass bei einem Scheitern des Pakets eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen werden könnte.
(Reuters)

