Volle Auftragsbücher seien kein Anzeichen einer nachhaltigen Erholung, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Grosse Entrup am Dienstag auf der Handelsblatt-Jahrestagung Chemie in Berlin. «Das ist in weiten Teilen ein Ausdruck nackter Panik.» Internationale Abnehmer würden aus Sorge vor Versorgungsengpässen wegen des Kriegs im Nahen Osten schlichtweg hamstern. Damit drohe bereits die nächste Inflationswelle. «Das ist ein kleiner Peak in einer strukturellen Krise, die wir haben», betonte Grosse Entrup.
Die fundamentale Krise des Standorts bleibe ungelöst. Den grössten Reformbedarf sieht der Verband bei der Energiewende. «Die Energieversorgung ist inzwischen unsere wirtschaftliche Achillesferse», sagte der VCI-Hauptgeschäftsführer. Zudem belaste eine oft realitätsferne Klimapolitik die Unternehmen. Der europäische «Green Deal» habe zwar vieles richtig angestossen, doch die Welt sei ihm nicht gefolgt. Kunden zahlten nicht automatisch einen Aufpreis für grüne Produkte.
Von der Politik forderte Grosse Entrup ein deutlich höheres Tempo bei den Reformen. Die Branche wiederhole seit Jahren, was für den Standort zwingend notwendig sei. Passiert sei jedoch sehr wenig. «Wenn wir jetzt die Ärmel hochkrempeln und Reformen wirklich anpacken, können wir den Gürtel auch irgendwann wieder lockerer schnallen», sagte der Verbandschef. Eine aktuelle VCI-Studie zum Jahr 2045 zeige, dass Deutschland der wirtschaftliche Aufbruch durchaus gelingen könne. Die Chemieindustrie spiele dabei als Lieferant für Zukunftstechnologien eine zentrale Rolle.
(Reuters)

